Emils Lebenslauf aus der Personalakte Südwest

14 Tage nach meinem Besuch im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde und telefonischer Mahnung erhielt ich nun endlich die bestellten Kopien aus der Archivalie R1002 / 5011. Eine davon ist der folgende (im Original handschriftliche) Lebenslauf.

„Windhuk, 29.7.08.

Lebenslauf des Bürogehilfen Teuthorn
Am 26. Mai 1880 zu Kiel geboren, besuchte ich von meinem 6. – 15. Lebensjahr die 1. Knabenmittelschule daselbst und fuhr nach Absolvirung derselben im Jahre 1895 nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, wo ich mich in kaufmännischen Geschäften, hauptsächlich als Verkäufer, ausgebildet habe.
Im Jahre 1899 reiste ich von New York via England nach Kapstadt, wurde dort auf halbjährigen Vertrag für den Bahnbau Sw.[akopmund] – Wi.[ndhuk] angenommen [1]. Am 27. Juni selben Jahres landete ich zum ersten mal in Südwest und war bis Juni 1902 ohne Unterbrechung im damaligen Werkstattsmagazin Sw. als Depotaufseher tätig, als solcher lag mir die Verbuchung, Ausgabe und Versand der Materialien ob.
Im Jahre 1902 wurde mir ein Heimatsurlaub gewährt und nach Wiedereintreffen im Schutzgebiet das Werkstattsmagazin Karibib übergeben, mein derzeitiger Gesundheitszustand ließ mich jedoch nach vier Monaten meine Rückversetzung nach Sw. beantragen; das Werkstattsmagazin war inzwischen aufgelöst, und so wurde ich dem Hauptmagazin als Bürogehilfe überwiesen. Mein Gesundheitszustand besserte sich etwas, ärztlicherseits lag kein Grund vor, meinem Gesuch nach Heimbeförderung [2] Folge zu geben, ich war aber der Meinung hiesiges Klima bekäme mir nicht mehr und nach Rücksprache mit Herrn Direktor Henning wurde mein Vertrag gelöst [3] . Es entstanden noch einige Schwierigkeiten über die Höhe der zu zahlenden Entschädigungssumme, da die Berechnungen des Herrn Direktors Henning und die des Herrn Verkehrs Inspektor Salomon um ca 400 M differierten, jedoch wurde die höhere Summe von mir gegen Vorbehalt gezahlt und mir später ein Teil des Geldes nach Deutschland nachgesandt.
Im Jahr 1905, Januar, landete ich zum 3ten mal in Südwest und wurde wenige Tage nach meinem Eintreffen, dank meiner gründlichen Kenntnis sämtlicher bei der Eisenbahn Sw. – Wi. gebräuchlichen Materialien und Inventarien und ihrer Verbuchung, als Bürogehilfe dem Hauptmagazin überwiesen, wo ich bis zum 30. September 1906 tätig war und die Stellung aufgab, weil mein Gesuch um Gleichstellung mit den anderen Bürogehilfen, unbeantwortet blieb. Diesetwegen bemühte ich mich um Privatstellung und wie nach Monaten die offizielle Antwort auf mein Gesuch einging, hatte ich mich bereits anderweitig verpflichtet.
Vertetungsweise führte ich vom 1. Okt. 06 bis 1. April 07 den Store eines Bekannten in Sw. während dessen Deutschlandreise.
Am 7. April 1907 verließ ich Südwest, fuhr nach kurzem Aufenthalt in Deutschland wieder nach Amerika mit der festen Absicht, mir dort ein dauerndes Heim zu gründen. Ich durchquerte, die verschiedensten Arbeiten verrichtend die Union, bei Ausbruch der Krisis, Ende vorigen Jahres arbeitete ich in einer Sägemühle im äußersten Nordwesten und wurde beim allgemeinen Niederschluss der Mühlen, mit 1000den anderer Leute entlassen. Die großen Städte boten ebenso wenig Aussicht auf Beschäftigung, die Aussicht auf Arbeit und Fortkommen erschien mir so gering, daß ich mich entschloß nach hier zurück zu kehren.
Am 5. Mai dieses Jahres [1908] landete ich zum letzten Mal in dieser Kolonie und wurde wenige Tage darauf in Karibib [4] vom Herrn Maschinenmeister Krause eingestellt und nach weiteren drei Tagen nach Windhuk versetzt.
Gehorsamst
Emil Teuthorn
Bürogehilfe.“
[1] Vertrag mit dem ‚Kaiserlichen Feldbahn Kommando‘.
[2] Am 9. März 1903 war in der Heimat sein Vater gestorben, und es scheint, dass er sich bei der Bahn nicht mehr recht wohl fühlte und woanders andere Aufgaben suchte.
[3] Man hatte auf sein Gesuch um Vertragsauflösung und Heimreise einen Monat lang nicht reagiert, so dass er am 3.8.1903 „den Dienst ohne Kündigung verließ“. Was Emil hier mit „einige Schwierigkeiten“ umschreibt, ist wohl letztlich der in der Akte dokumentierte Streit darüber, ob er noch tropentauglich war oder nicht. Emil machte wohl gesundheitliche Probleme vor allem deshalb geltend, weil er in solchem Fall mit kostenloser Heimreise ohne Enrtschädigungszahlungen rechnen konnte.
[4] Karibib liegt etwa auf halber Strecke zwischen Swakopmund und Windhuk.