Studentische Initiationsriten & Halsgerichtsbarkeit

Das Portal MATEO (= MAnnheimer TExte Online) publiziert wissenschaftliche Arbeiten und Primärquellen im World Wide Web.  Unter dem Profil MARABU geht es um digitale Reprints alter Drucke der Frühen Neuzeit. U.a. fand ich:

Orationes duae, De ritu et modo depositionis beanorum. – Straßburg: Dolhopff, 1680. 56 S., 18 Kupfertaf., 15 x 8 cm. – Das kleine Büchlein, dessen dritter, deutschsprachiger Teil hier reproduziert ist, bringt zuerst die bereits 1569 von Magister Johann Dinkel in Erfurt gehaltene lateinische “Rede über Ursprung, Gründe, Vorbild und Zeremonien des Ritus, der in den (hohen) Schulen allgemein Deposition genannt wird”.

In dem einleitenden Text, der das Büchlein vorstellt, wird allerdings nicht darauf hingewiesen, das die dargestellte Form der Initiation, die der neue Student über sich ergehen lassen musste, nur eine von vielen Formen ist, also von Uni zu Uni in verschiedener Form ausgeführt werden konnte, und wohl auch auf der Zeitschiene unterschiedliche Ausprägungen hatte.  [ So war es auch üblich die Neuen mit Schuhwichse u.a.  zu verschmutzen, sie in ein dunkles unsauberes Gewand zu hüllen, und dann nach einem Reinigungsprozess das derbe Procedere in einem sauberen weißen Gewand enden zu lassen.]

Das kleine Büchlein bringt neben Johann Dinkels Rede, die dieser weithin aus dem umfassenderen Werk Middendorps “De celebrioribus universi terrarum orbis Academiis” (Köln 1567) abgeschrieben haben soll, auch Kupferstiche.

Der folgende Holschnitt stammt aus einem weiteren alten Buch, der

Angeklagter wird von Gerichtsknechten dem Richter vorgeführt.

Angeklagter wird von Gerichtsknechten dem Richter vorgeführt.

Constitutio Criminalis Bambergensis von 1507. [Schwarzenberg, Johann von: Bambergische Peinliche Halsgerichtsordnung.] – Bamberg: Hans Pfeil, 1507. – (7) Bl., Bl. 3-80; zahlreiche Ill.; 29,5 x 21 cm. / Deutsch verfasst und mit schönen Holzschnitten und Verssprüchen illustriert.

Sie gilt als “Markstein und Wendepunkt in der deutschen Strafrechtsentwicklung”.

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