AUSSCHAFFEN hat Potential für das Wort des Jahres

Am gestrigen Sonntag, dem 28. November 2010, hat die Schweiz sich dazu entschieden, straffällig gewordene Ausländer auszuschaffen. Ausschaffen bedeutet in der deutschen Hochsprache ausweisen. Nun kann man nur Leute ausschaffen, die man zuvor eingelassen hat.

In diesem vorangegangenen Hereinlassen liegt ja zu allererst eine moralische Leistung, die wir nicht leichtfertig ignorieren sollten.  Auch wegen solch humanen Verhaltens in Krisenzeiten genießt die Schweiz in der Welt einen außerordentlich positiven Ruf. Erst wenn der so, z.B. wegen politischer Verfolgung,  Eingelassene seinen Wohltäter enttäuscht,  erst dann wirft ihn der Schweizer wieder hinaus.  Gegen diese Regelung soll es keine Apellation geben. Es wird Leute geben, die sich darüber aufregen und die Schweiz fortan vor dem europäischen Gerichtshof des Verstoßes gegen die Menscherechte bezichtigen werden. Sie kennen die Schweiz nicht, sonst wüssten sie, dass das bevorstehende rigide Gesetz nichts Neues ist. Wer Asyl sucht,  muss  nur wissen, worauf er sich einlässt.

Als sich 1849 das Scheitern der badischen Revolution abzeichnete und die Schweiz eine Asylzusage gemacht hatte,  fasste  die Hanauer Turnerwehr unter ihrem Anführer Schärtner den Entschluss,  am 6. Juli die Grenze von Baden zur Schweiz zu überschhreiten. Unter ihnen befand sich auch der Revolutionär Philipp Friedrich Bernhard Teuthorn.  Von ihm heißt es,   “Er war Wehrmann in der 2. Kompanie der Hanauer Turner. [...] Er hielt sich zunächst in Bern auf. Im September 1850 tauchte er im Kanton Fribourg auf. Da er einen falschen Heimatschein vorlegte, wurde er auf Beschluss des Bundesrates vom 24. Februar 1851 als des Asyls unwürdig ausgewiesen. (BA Bern, Bd.61)”

Wieso er betrog, oder sich zu betrügen gezwungen sah, kann nicht mehr nachgwiesen werden. Jedenfalls hatte diese Ausweisung seine Auswanderung nach Amerika zur Folge, wo er in Boston das “Bostoner Intelligenzblatt” gründete.  In der Schar der sogenannten Fortyeighter, der in der Folge der Revolution 1848/49  ausgewanderten politischden Flüchtlinge, war er nicht alleine. Sigel, Struve und Hecker gehörten neben vielen anderen dazu.

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