Erinnerungen an Großmutter Erica

…so wird ein Buch heißen, das irgendwann in der zweiten Jahreshälfte in Druck geht.

Sozusagen im Endspurt erhielt ich soeben von fleißigen Helfern aus der Familie schöne Fotos zum Fischlandschmuck, die ich gerade eingearbeitet habe.

Für die engere Familie und Freunde stellt P. T. das Leben seiner Großmutter und Müritz, den Ort seiner Kindersommer, in den Mittelpunkt dieser Familiengeschichte. Die Reise durch die Erinnerungen beginnt dort mit den Ereignissen um den 8. Mai 1945 und geht zurück in die vorpommersche Heimat der Bachmann-Geschwister mit dem elterlichen Haus in Messenthin. Rostock und Poberow markieren die Spannweite der Lebensorte an der Ostseeküste. Die Nachkriegszwänge führen von der Oder an Elbe und Rhein. Wie immer, ist Familiengeschichte auch hier Wanderung. Diesmal von Osten nach Westen.

Neben den einschneidenden Tagen des Zusammenbruchs geht es auch um schöne Dinge, wie den  Fischlandschmuck des Goldschmiedes Walter Kramer. Das klingt dann so:

“Auf einem Porträtfoto trägt Erica einen schweren Anhänger von etwa 6 cm Durchmesser. Es ist eine zum Anhänger umgearbeitete Brosche aus der Werkstatt des Ribnitzer Goldschmieds Walter Kramer.

Kramer, der den Betrieb seiner Familie bereits in der vierten Generati­on führte, hatte 1932 eine Kollektion aus Brosche, Armband und Ring entworfen, die aus Schönheit des Materials und exzellenter Handwerkskunst ein ganz besonderes Produkt machte. Fast wäre mir der Fehler unterlaufen, von manueller, also händischer Handwerkskunst zu sprechen. Ja, es war wunderbares Handwerk, wenn um einen besonders schönen Bernstein, der nach meinem Geschmack honiggolden sein sollte, allerlei Meeresgetier, vorzugsweise Fischlein und Seesterne, gruppiert wurden, und die Entscheidung schwer fiel, was bewunderungswürdiger sei, der ausgesuchte Stein oder die filigrane Umgebung der Meerestierchen. Kramer hatte diesen Schmuck 1932 als Fischlandschmuck zum Patent angemeldet. Großmutter hatte davon die schöns­ten Exemplare. Sie war ja auch nahe genug an der Quelle. Auch meine Mutter Leni liebte diesen Schmuck. Allerdings kamen ihre Stücke wohl nicht ganz an die Qualität von Ericas heran. Ganz zu schweigen von dem durch den VEB (Volkseigener Betrieb) produzierten gestanzten Schmuck, der zwar in der DDR nachgefragt, aber weit entfernt von der Qualität des Original-Fischlandschmucks war.

Denn Kramer wurde 1947 enteignet und sein Betrieb erfolgreich als VEB fortgeführt. Er selbst floh nach West­deutschland, gewann den Pa­tentstreit um seine Marke Fischland­schmuck und produzierte und ver­kaufte diesen in seinem Betrieb und Ladengeschäft ín Travemünde.

Es ist schön zu wissen, dass sich originale Exemplare in unserer Fami­lie erhalten haben. Dabei ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen, ob dies die Objekte aus Ericas Nachlass oder dem meiner Mutter sind. Außer­dem könnte es sein, dass Leni nach 1945 verlorene Stücke bei Walter Kramer in Travemünde nachkaufte.”

Nach Kramers Tod verkauften dessen Erben erst vor Kurzem die Markenrechte an Uta Erichson. So kehrte die schöne Handwerksarbeit zurück nach Ribnitz.  http://www.bernsteingalerie-ribnitz.de/index.php

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