“Du Dödel du … “

Der oder das Dödel ist ja eine Loriot’ sche Delikatesse, aber  b i t t e  nicht zu verwechseln mit dem Nösel, du!

Denn hier geht es um ein Flüssigkeitsmaß, das man im Thüringen des 16. und 17. Jahrhundert auf  jeden Fall beherrschen musste, wenn man nicht verdursten wollte.  Wer mit der bayerischen Mass gut leben gelernt hat  – Gehms mir no a  Mass bittschön – der möcht’ vielleicht auch dem mittelalterlichen Thüringer beim Nösel-Bestellen über die Schulter gucken.  Na klar doch!

Gut wär’s schon, wenn man dazu etwas von den Erfurter Maßen verstünde. Denn um die ging’s schließlich in Thüringen. Georg Kaspar Chelius belehrt dazu posthum im Jahre 1830 alle Wissbegierigen mit seinem in Frankfurt a. Main herausgebrachten

“Allgemeines Comptoir-Handbuch, neunter  Theil oder Maß- und Gewichtsbuch.”

Und nun wissen wir,

1 Eimer Bier = 18 Stübchen
1 Stübchen = 2 Kannen oder 4 Mas
1 Kanne = 2 Mas
1 Mas = 2 Nösel
1 Nösel = 0,51146 Liter

Gott sei Dank müssen wir in Bayern lebenden Preußen – darunter werden  ja auch die Thüringer subsummiert – nun nicht umlernen. Denn die Mas bleibt die Mass und die auch im Biergarten immer mehr um sich greifende halbe Mass – Pfui Deifi – bleibt ‘ne Halbe, aber ist eigentlich ein Nösel, du Dödel du.  Alles klar?

Deshalb, wenn man oder frau sich dann doch lieber über das Dezimalsystem absichern will, schafft die Website http://www.lenntech.com/kalkulatoren/gewicht.htm Orientierung.  Da gibt es ein  zwar seit 2003 nicht mehr gepflegtes, aber doch funktionierendes  Umrechnungsprogramm für Leute, die lieber in der Welt des Zehnersystems leben.

Sonntag Mittag werd’ ich dann wieder in den  Biergarten radeln. Mal sehn, wie das mit dem Nösel oder der Kanne klappt.  Damit die mich nicht in die Klapse einweisen, die heißt hier Haar, werd’  ich  – feige wie ich bin – dann wohl doch lieber die übliche Mass bestellen.

(Siehe auch
Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer.
Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum Mittelhochdeutschen Wörterbuche von Benecke-Müller-Zarncke. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1872-1878 mit einer Einleitung von Kurt Gärtner. 3 Bde. Stuttgart: S. Hirzel 1992.
dort

nöჳჳelîn stn. (Artikel im BMZ II. 419a) ein kleineres flüssigkeitsmass. ein halp nöჳჳelîn (od. nœჳჳelîn?) BUCH v. g. sp. 14. KOCHB. 13. vgl. VILM. 286. WEIG. 2,280.)

Vergleiche auch Friedrich und Christian Noback: Vollständiges Taschenbuch der Münz-, Maass- und Gewichts-Verhältnisse … , Leipzig 1851.

Außerdem habe ich mein Glossar ergänzt.

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