Tolino-Cloud & Genialokal – genial daneben!

Das neue Jahr begann für das eBook in Deutschland wenig verheißungsvoll.
Alles wäre so leicht, wenn ich mich einfach entspannt den AMAZONen hingäbe. Der  Online-Buchhändler ist einfach der Beste, auch in Sachen eBook. Warum mache ich mir das Leben so schwer, indem ich für das epub-Format eintrete und für eine deutsche Buchhandelsplattform werbe. Dafür war ich auch in meinem Artikel „Familiengeschichte auf elektronischem Papier“ in der ComputerGenealogie 3/2015 eingetreten.
Als Autor möchte ich in der Buchwelt meines Landes veröffentlichen, als Leser meine Bücher im Buchhandel kaufen. Wenn ich online einkaufe, soll der Gewinn nicht einem Global Player sondern am liebsten meiner Dorfbuchhandlung zu Gute kommen. Bei dieser hole ich  den Online-Kauf ab anstatt ihn per Logistikunternehmen an die Haustür liefern zu lassen.
Bei eBooks verspricht die Tolino-Allianz eine Stärkung des deutschen Buchhandelskonzeptes. Es ist zwar alles noch ziemlich umständlich und allemal aufwendiger als Kauf und Verwaltung der eBooks bei Amazon, aber es funktionierte bis vor Kurzem recht ordentlich.  Und zwar so: Ich rufe den Onlineshop meiner Buchhandlung auf, wähle mich ein (login), suche und kaufe ein eBook und dieses wird für mich in der sogenannten Tolino-Cloud abgelegt, von wo ich es jederzeit auf eines meiner Geräte laden kann, also auf PC, Notebook, eReader, Smartphone oder Tablet.  So war die Welt zwar umständlich aber bis gestern doch irgendwie in Ordnung. Und nun das!
Nach Neujahr logge ich mich in den Online-Shop meiner Buchhandlung Leselust ein und finde mich zu meiner Überraschung auf der Website Genialokal.de wieder. Alles was wir zu Markenphilosophie, zu Corporate Identidy mit Wiedererkennungswert und  sprechender Namensgebung wissen wurde hier versäumt. Wer verbindet wohl mit Genialokal eine Buchhandlung, wer zum Teufel hat sich so einen Unsinn ausgedacht. Aber es kommt noch besser. Es gelingt mir nicht mehr, zu meinen Büchern in die Tolino-Cloud zu kommen. Ich klicke nun den einzigen Link an, der nach einer Tür zu den Büchern aussieht und ‚Meine Downloads‘ heißt. Und schwups, bin ich nicht etwa drinnen sondern stehe ich draußen, vor mir eine Maske mit der Aufforderung zu nochmaliger Anmeldung. IRRITIREND! Ich werde noch einmal in meinem Konto willkommen geheißen, finde immer noch keine Cloud, aber sehe jetzt unter Downloads tatsächlich meine Bücher, die ich nun in meinem Browser lesen kann. Nicht mehr.
Der Griff zum Hörer der Libri-Hotline ergibt folgende Anweisungen:

  1. Gehen Sie bei einem beliebigen eBook in die Lesefunktion.
  2. Öffnen Sie mit einem Klick in die Mitte der Textseite die Lese-App. Dann öffnet sich in Kopf- und Fußleiste die Ihnen bekannte Navigation.
  3. Schließen Sie das Buch nun wieder durch einen Klick in die obere linke Ecke.
  4. Unter dem Logo ‚meineBUCHhandlung‘ erscheinen nun Ihre Bücher. Rufen sie in der oberen linken Ecke das Menue auf.
  5. Wählen Sie in der am linken Rand erscheinenden Navigationsleiste ‚Lesen‘.
  6. Sie sind jetzt in der Tolino-Cloud und können Bücher entfernen oder Hochladen.

Na toll! Auf Geheimgängen in sechs Schritten zum Ziel. Wahrscheinlich wird es einige Wochen oder Monate dauern, bis dieser genia-loka-le Pfusch beseitigt ist. Bleiben wird eine völlig unsinnige Benennung dieser Buchhändler-Plattform. Nur wenige Ausdauernde werden sich auf den beschwerlichen Weg machen. So manövriert man sich in die Nische.
Libri – ebook.de – meineBUCHhandlung – myBookShhop – genialokal.de – tolino. Welche Vielfalt? Welche Verschwendung von Ressourcen! AMAZON, e i n f a c h, nicht zu schlagen. Jedenfalls nicht auf diese Art. Aber …
… noch lasse ich mich nicht entmutigen.