Emils vergebliche Versuche, in Amerika Fuß zu fassen

Im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde befinden sich im Bestand Kolonialamt drei Personalaktenstücke zu Großvater Emil. Die Personalakte beginnt mit seiner Einstellung bei der Kaiserlichen Eisenbahnverwaltung am 22. Juni 1899 und endet 1919.

Ich erwarte in den nächsten Tagen noch einige Kopien. Allerdings ergibt sich schon jetzt aus den bisher durchgesehenen Papieren etwas für mich Neues. Emil hatte nicht etwa von Anfang an vor, ständig in Südwest zu bleiben. Er unterbrach seinen Aufenthalt dort zweimal, um andere und lohnendere Beschäftigungen zu finden. Dabei vermischen sich Arbeitssuche und abenteuernde Neugier. Erst mit seiner Heirat im August 1909 wurde er endgültig in Windhuk sesshaft.

1902 besuchte er das erste Mal nach sieben Jahren Deutschland und seine Eltern in Kiel, kehrte aber planmäßig direkt nach Deutsch Südwestafrika zurück. Anfang August 1903 kündigte er seine Arbeit bei der Bahn und kehrte nach Aufenthalten in Deutschland und den USA erst nach 1 ½ Jahren zurück.

Im Jahr 1907 versuchte er ein drittes Mal sein Glück in Amerika: “Am 7. April 1907 verließ ich Südwest, fuhr nach kurzem Aufenthalt in Deutschland wieder nach Amerika mit der festen Absicht mir dort ein dauerndes Heim zu gründen. Ich durchquerte, die verschiedensten Arbeiten verrichtend, die Union; bei Ausbruch der Krisis, Ende vorigen Jahres arbeitete ich in einer Sägemühle im äußersten Nordwesten und wurde beim allgemeinen Niederschluss der Mühlen, mit 1000den anderer Leute entlassen. Die großen Städte boten ebenso wenig Aussicht auf Beschäftigung, die Aussicht auf Arbeit in Faktoreien erschien mir so gering, dass ich mich entschloss nach hier zurückzukehren. Am 5. Mai dieses Jahres [1908] landete ich zum letzten Mal in dieser Kolonie..”

Offensichtlich war er von Amerika noch stärker als von Südwestafrika fasziniert, fand aber dort keine gute Chance. Das mag auch daran liegen, dass er ja nach dem Schulabschluss in Kiel keinen Beruf erlernt hatte und deshalb anders als gleichzeitig ausgewanderte Handwerksgesellen, nicht zu den gesuchten Fachkräften gehörte. Die jetzt zeitlich belegten Amerikaaufenthalte nach seiner ersten Einreise im Jahre 1895 erklären auch, weshalb Emil sich in späteren Jahren noch so gut in der englischen Sprache ausdrücken konnte. Belege hierfür bietet seine Korrespondenz mit den amerikanischen Nachkommen seiner Schwestern.

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