Schludrig! Verliert Rechtschreibung an Bedeutung?

Gelesen: https://schulesocialmedia.com/2020/07/07/warum-rechtschreibung-in-der-kultur-der-digitalitaet-an-bedeutung-verliert/

Dass mit der Rechtschreibung schludriger umgegangen wird, kann jeder beobachten. Offensichtlich geht die Entwicklung dahin, dass “Orthographie im Vergleich mit anderen Kompetenzen [heute] einen geringeren Stellenwert einnimmt”.

Der Beitrag von Philippe Wampfler bringt hierzu vertiefende Aussagen. Wie schlampige Orthographie von der Gesellschaft eingeschätzt und in Bezug auf einen Schreiber gewertet wird, bleibt aber zur Zeit noch eine offene Frage. Sofern es sich nicht um reine Flüchtigkeitsfehler oder den nicht immer zu vermeidenden Fehlerteufel handelt, führt falsche Rechtschreibung immer noch zu einer Abwertung des Autors. Besonders in der Book-on-Demand-Buchproduktion führt das zu Ansehensverlust.

Folgende dem Text willkürlich entnommenen Zitate – ich empfehle die Gesamtlektüre – treffen meine eigenen Beobachtungen:

“Netztexte erscheinen in Versionen, es braucht keine fertige Druckversion. Fehler können korrigiert werden, wenn sie bemerkt werden. Ich korrigiere Blogtexte nicht aufwendig, verbessere sie aber immer wieder, wenn ich Fehler entdecke oder darauf hingewiesen werden.

Sobald ein [journalistischer] Text geschrieben ist, kann er zur Lektüre freigegeben werden. Das Korrektorat wird hier als Verlangsamung wahrgenommen. Durch die Überarbeitung von Texten geht Zeit verloren, die für das Sammeln von Klicks und Aufmerksamkeit wichtig wäre.

Ist Rechtschreibung eine Kompetenz, die in der Kultur der Digitalität eine Rolle spielt? – Wenn im Sprachunterricht gesprochene Sprache und der Umgang mit Bildern eine größere Rolle einnimmt, dann nimmt formale Korrektheit eine kleinere Rolle ein.

Das war ja übrigens viele Jahrhunderte so. Es gab Wichtigeres. Das weiß jeder, der mit handgeschriebenen historischen Texten umgeht.

Wer wie ich immer noch sprachsensibel ist, aber seine WhatsApp-Nachrichten für Kinder, Familie und Freunde per ‘voice to text’ verfasst, ist schnell in einem Konflikt. Lasse ich es laufen – man kennt sich ja schließlich – oder korrigiere er alles nach, damit die automatisch erzeugte englisch-amerikanische Auseinanderschreibung verschwindet oder Interpunktion eingesetzt wird? Die technische Entwicklung gibt Hoffnung. Inzwischen kann ich wenigstens bereits Satzzeichen diktieren.

Und doch ist mir dabei Schnelligkeit oft wichtiger als perfekte Rechtschreibung. Damit liege ich dann ja leider voll im Trend.


(Auf den Beitrag wurde ich durch Archivalia aufmerksam.)