{"id":10231,"date":"2022-01-17T00:07:26","date_gmt":"2022-01-16T22:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=10231"},"modified":"2023-01-11T02:09:30","modified_gmt":"2023-01-11T00:09:30","slug":"bassae-und-die-elgin-marbles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=10231","title":{"rendered":"Bassae und die Elgin-Marbles"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"has-text-align-center has-vivid-purple-color has-text-color wp-block-heading\"><em>\u0398\u03c5\u03bc\u03ac\u03bc\u03b1\u03b9 \u03c4\u03b7\u03bd \u03c0\u03c1\u03ce\u03c4\u03b7 \u03bc\u03bf\u03c5 \u03c6\u03bf\u03c1\u03ac \u03c3\u03c4\u03b7\u03bd \u0395\u03bb\u03bb\u03ac\u03b4\u03b1<\/em><br \/><em>Aus meiner ersten Griechenlandzeit<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz nach Mittag hielt der Bus unter einer riesigen Platane im Ortszentrum. Kaum war ich ausgestiegen, als jemand meine Reisetasche in der Hand hatte. Ich konnte ihr mit M\u00fche folgen. Dann stand ich in einem gro\u00dfen einfachen Zimmer mit mehreren Betten. Ich war im Ortshotel von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/place\/Andritsena+270+61,+Griechenland\/@37.4825423,21.9016249,1664m\/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x13605eec1fd7a227:0x400bd2ce2b98e50!8m2!3d37.4841013!4d21.9056318?hl=de\" target=\"_blank\">Andritzena<\/a>. Es ist Sommer 1963. Ein Weltunternehmen, bei dem ich im Fr\u00fchjahr mit gutem Erfolg eine Ausbildung beendete, hatte mich f\u00fcr ein halbes Jahr nach Athen geschickt. Eine Zeit lang in Griechenland arbeiten, das war das Bonbon.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/platane2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/platane2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10233\" width=\"283\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/platane2.jpg 751w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/platane2-400x274.jpg 400w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/platane2-219x150.jpg 219w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Platanen in der Ortsmitte von Andritzena, ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fernwehs\u00fcchtig hatte ich den ersten Auslandsaufenthalt meines Lebens eigentlich in Spanien verbringen wollen. Ganz gute Grundkenntnisse der Sprache hatte ich ja schon. \u00dcber Griechenland hatte ich nie nachgedacht. Als die \u00fcberraschende Nachricht mit dem Ticket kam, musste ich erst einmal ein Lexikon w\u00e4lzen. Die M\u00f6glichkeiten einer Google-Welt h\u00e4tte ich mir nicht vorstellen k\u00f6nnen. Selbst nicht als Leser von Zukunftsromanen wie Hans Dominiks <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Wettflug-Nationen-Hans-Dominik\/dp\/B005TIZMFG\" target=\"_blank\">\u201aWettflug der Nationen\u2018<\/a> oder \u00c4hnlichem. Die 60st\u00fcndige Bahnreise von Hamburg nach Athen hatte ich also mit einem auf die Schnelle gefundenen Info-Konzentrat antreten m\u00fcssen. Verk\u00fcrzt hie\u00df dies: Akropolis, Schafe, Ziegen, K\u00e4se, Oliven und nat\u00fcrlich Alte Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr meine sechs Arbeitsmonate standen mir so um die 10 Tage Urlaub zu. Und nun wollte ich die Peloponnes kennenlernen. Der historische B\u00e4decker aus dem letzten Jahrhundert hatte vor den wilden Hunden der Halbinsel gewarnt und dem Reisenden, der selbstverst\u00e4ndlich zu Pferde war, eine spezielle Peitsche zum Vertreiben der gef\u00e4hrlichen Kl\u00e4ffer empfohlen. Als Karl-May-Fan hatte ich sofort Hadschi Halef Omar mit dessen Nilpferdpeitsche vor Augen. Meine Reise verlief aber per Bahn, Bus und zu Fu\u00df, und ich war ohne Begleitung unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich schloss das Zimmer ab und kehrte zur Platane zur\u00fcck. Was ich trinken wolle? Keine Ahnung! Und dann nippte ich an einem Wasserglas, das mit einer milchig tr\u00fcben Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt war. Mein erster Uzo!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Dorf Andritzena also. Urig, fremd, freundlich. Bald war ich mit einer jungen Griechin im Gespr\u00e4ch. Was mein Ziel sei? Der Bassae-Tempel in der N\u00e4he. Und dann erhielt ich eine eingehende Beschreibung des Kunstwerkes, auch des Weges und h\u00f6rte zum ersten Mal von den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Elgin_Marbles\" target=\"_blank\">Elgin-Marbles<\/a>, die (damals) gut verpackt und f\u00fcr niemanden zug\u00e4nglich nun schon seit Jahrzehnten in den Kellern des British Museums in London vor sich hintr\u00e4umten. Entr\u00fcstung \u00fcber die gestohlenen St\u00fccke aus dem Cella-Fries des Tempels. Ich w\u00fcrde sie vor Ort nicht mehr sehen, aber eben auch in keinem griechischen Museum. \u2013 \u00dcbrigens sei das ja nur der geringere Teil des Elgin\u2018schen Raubguts. Ob ich denn w\u00fcsste, dass auch die besterhaltenen Friesplatten des Parthenon von den Briten nicht herausgegeben w\u00fcrden. Nein, alles war mir neu. Jetzt im Jahr 2022, knapp 60 Jahre nach dieser Reise, hat die verh\u00e4rtete Diskussion \u00fcber die Restitution von Kunstwerken zwischen Briten und Griechen immer noch zu keinem Ergebnis gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"655\" src=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-1024x655.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10234\" srcset=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-400x256.jpg 400w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-768x491.jpg 768w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-1536x983.jpg 1536w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-2048x1310.jpg 2048w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/bassae-234x150.jpg 234w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Aus Freiherr von Schweiger-Lerchenfeld: <em>Griechenland in Wort und Bild, <\/em>Leipzig1882, Nachdruck Essen 1992, (ISBN 3-88851-158-5), S. 101.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich begann den Weg zum Tempel hinauf zu Fu\u00df, bis mich nach einigen Kilometern ein freundlicher Autofahrer mitnahm. Ich hatte die Wegstrecke v\u00f6llig untersch\u00e4tzt. Ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter h\u00e4tte mich mein Smartphone mit GoogleMaps vor den 14 Kilometern (auf der Stra\u00dfe) gewarnt und zumindest nachdenklich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Eindruck vom Tempel war unbeschreiblich, einfach gro\u00dfartig und pr\u00e4gte sich mir tief ein. Als ich 30 Jahre sp\u00e4ter Bassae noch einmal besuchte, konnte sich dieses Empfinden verst\u00e4ndlicherweise nicht noch einmal einstellen. Das Bauwerk ist bis heute einger\u00fcstet und durch ein Zeltdach vor weiterem Verfall gesch\u00fctzt. Aber damit ist nun auch etwas zerst\u00f6rt, n\u00e4mlich der f\u00fcr mich \u00fcberw\u00e4ltigende Reiz dieser besonderen Wechselwirkung von Landschaft und den Resten antiker Bauten, die bis heute mein Griechenlandbild bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich vor der Weiterreise aus Andritzena mein Zimmer bezahlen wollte, \u00fcberstieg die Rechnung den vereinbarten Preis. Wieso denn das? Ich h\u00e4tte den Raum abgeschlossen, so dass er keine weiteren G\u00e4ste habe unterbringen k\u00f6nnen, erwiderte der Wirt. Ich zahlte und versuchte mir auszumalen, vor welchem Abenteuer mich das Umdrehen des Schl\u00fcssels bewahrt hatte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Auch eigenes Erinnern geh\u00f6rt zur Familiengeschichte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckkehr nach Hellas:<br \/><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.teu-net.de\/griechenland\/orchomenos.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.teu-net.de\/griechenland\/orchomenos.html<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.teu-net.de\/griechenland\/literatur.html\" target=\"_blank\"><br \/>http:\/\/www.teu-net.de\/griechenland\/literatur.html<\/a><br \/><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=10671\" target=\"_blank\">http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=10671<\/a> Passwort: privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0398\u03c5\u03bc\u03ac\u03bc\u03b1\u03b9 \u03c4\u03b7\u03bd \u03c0\u03c1\u03ce\u03c4\u03b7 \u03bc\u03bf\u03c5 \u03c6\u03bf\u03c1\u03ac \u03c3\u03c4\u03b7\u03bd \u0395\u03bb\u03bb\u03ac\u03b4\u03b1Aus meiner ersten Griechenlandzeit Kurz nach Mittag hielt der Bus unter einer riesigen Platane im Ortszentrum. 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