{"id":11,"date":"2006-10-24T05:49:00","date_gmt":"2006-10-23T22:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=11"},"modified":"2025-12-11T03:11:45","modified_gmt":"2025-12-11T01:11:45","slug":"emils-lebenslauf-aus-der-personalakte-sudwest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=11","title":{"rendered":"Emils Lebenslauf aus der Personalakte S\u00fcdwest"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: right;\">\n<div style=\"text-align: left;\">14 Tage nach meinem Besuch im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde und telefonischer Mahnung erhielt ich nun endlich die bestellten Kopien aus der Archivalie R1002 \/ 5011. Eine davon ist der folgende (im Original handschriftliche) Lebenslauf.<\/div>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Windhuk, 29.7.08.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Lebenslauf des B\u00fcrogehilfen Teuthorn<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Am 26. Mai 1880 zu Kiel geboren, besuchte ich von meinem 6. &#8211; 15. Lebensjahr die 1. Knabenmittelschule daselbst und fuhr nach Absolvirung derselben im Jahre 1895 nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, wo ich mich in kaufm\u00e4nnischen Gesch\u00e4ften, haupts\u00e4chlich als Verk\u00e4ufer, ausgebildet habe.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Im Jahre 1899 reiste ich von New York via England nach Kapstadt, wurde dort auf halbj\u00e4hrigen Vertrag f\u00fcr den Bahnbau Sw.[akopmund] &#8211; Wi.[ndhuk] angenommen [1]. Am 27. Juni selben Jahres landete ich zum ersten mal in S\u00fcdwest und war bis Juni 1902 ohne Unterbrechung im damaligen Werkstattsmagazin Sw. als Depotaufseher t\u00e4tig, als solcher lag mir die Verbuchung, Ausgabe und Versand der Materialien ob.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Im Jahre 1902 wurde mir ein Heimatsurlaub gew\u00e4hrt und nach Wiedereintreffen im Schutzgebiet das Werkstattsmagazin Karibib \u00fcbergeben, mein derzeitiger Gesundheitszustand lie\u00df mich jedoch nach vier Monaten meine R\u00fcckversetzung nach Sw. beantragen; das Werkstattsmagazin war inzwischen aufgel\u00f6st, und so wurde ich dem Hauptmagazin als B\u00fcrogehilfe \u00fcberwiesen. Mein Gesundheitszustand besserte sich etwas, \u00e4rztlicherseits lag kein Grund vor, meinem Gesuch nach Heimbef\u00f6rderung [2] Folge zu geben, ich war aber der Meinung hiesiges Klima bek\u00e4me mir nicht mehr und nach R\u00fccksprache mit Herrn Direktor Henning wurde mein Vertrag gel\u00f6st [3] . Es entstanden noch einige Schwierigkeiten \u00fcber die H\u00f6he der zu zahlenden Entsch\u00e4digungssumme, da die Berechnungen des Herrn Direktors Henning und die des Herrn Verkehrs Inspektor Salomon um ca 400 M differierten, jedoch wurde die h\u00f6here Summe von mir gegen Vorbehalt gezahlt und mir sp\u00e4ter ein Teil des Geldes nach Deutschland nachgesandt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Im Jahr 1905, Januar, landete ich zum 3ten mal in S\u00fcdwest und wurde wenige Tage nach meinem Eintreffen, dank meiner gr\u00fcndlichen Kenntnis s\u00e4mtlicher bei der Eisenbahn Sw. &#8211; Wi. gebr\u00e4uchlichen Materialien und Inventarien und ihrer Verbuchung, als B\u00fcrogehilfe dem Hauptmagazin \u00fcberwiesen, wo ich bis zum 30. September 1906 t\u00e4tig war und die Stellung aufgab, weil mein Gesuch um Gleichstellung mit den anderen B\u00fcrogehilfen, unbeantwortet blieb. Diesetwegen bem\u00fchte ich mich um Privatstellung und wie nach Monaten die offizielle Antwort auf mein Gesuch einging, hatte ich mich bereits anderweitig verpflichtet.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Vertetungsweise f\u00fchrte ich vom 1. Okt. 06 bis 1. April 07 den Store eines Bekannten in Sw. w\u00e4hrend dessen Deutschlandreise.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Am 7. April 1907 verlie\u00df ich S\u00fcdwest, fuhr nach kurzem Aufenthalt in Deutschland wieder nach Amerika mit der festen Absicht, mir dort ein dauerndes Heim zu gr\u00fcnden. Ich durchquerte, die verschiedensten Arbeiten verrichtend die Union, bei Ausbruch der Krisis, Ende vorigen Jahres arbeitete ich in einer S\u00e4gem\u00fchle im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten und wurde beim allgemeinen Niederschluss der M\u00fchlen, mit 1000den anderer Leute entlassen. Die gro\u00dfen St\u00e4dte boten ebenso wenig Aussicht auf Besch\u00e4ftigung, die Aussicht auf Arbeit und Fortkommen erschien mir so gering, da\u00df ich mich entschlo\u00df nach hier zur\u00fcck zu kehren.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Am 5. Mai dieses Jahres [1908] landete ich zum letzten Mal in dieser Kolonie und wurde wenige Tage darauf in Karibib [4] vom Herrn Maschinenmeister Krause eingestellt und nach weiteren drei Tagen nach Windhuk versetzt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Gehorsamst<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">Emil Teuthorn<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic;\">B\u00fcrogehilfe.&#8220;<\/span><br \/>\n[1] Vertrag mit dem &#8218;Kaiserlichen Feldbahn Kommando&#8216;.<br \/>\n[2] Am 9. M\u00e4rz 1903 war in der Heimat sein Vater gestorben, und es scheint, dass er sich bei der Bahn nicht mehr recht wohl f\u00fchlte und woanders andere Aufgaben suchte.<br \/>\n[3] Man hatte auf sein Gesuch um Vertragsaufl\u00f6sung und Heimreise einen Monat lang nicht reagiert, so dass er am 3.8.1903 &#8222;den Dienst ohne K\u00fcndigung verlie\u00df&#8220;. Was Emil hier mit &#8222;einige Schwierigkeiten&#8220; umschreibt, ist wohl letztlich der in der Akte dokumentierte Streit dar\u00fcber, ob er noch tropentauglich war oder nicht. Emil machte wohl gesundheitliche Probleme vor allem deshalb geltend, weil er in solchem Fall mit kostenloser Heimreise ohne Enrtsch\u00e4digungszahlungen rechnen konnte.<br \/>\n[4] Karibib liegt etwa auf halber Strecke zwischen Swakopmund und Windhuk.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Original:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2006\/10\/exzerpt_S79-82.pdf\" class=\"pdfemb-viewer\" style=\"\" data-width=\"max\" data-height=\"max\" data-toolbar=\"bottom\" data-toolbar-fixed=\"off\">exzerpt_S79-82<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14 Tage nach meinem Besuch im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde und telefonischer Mahnung erhielt ich nun endlich die bestellten Kopien aus der Archivalie R1002 \/ 5011. Eine davon ist der folgende (im <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=11\">Lesen Sie weiter &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[28,3,39],"tags":[289],"class_list":["post-11","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-amerika","category-auswanderung","category-namibia","tag-personalakte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11631,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11\/revisions\/11631"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}