{"id":1733,"date":"2011-01-26T19:36:00","date_gmt":"2011-01-26T18:36:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=1733"},"modified":"2018-06-03T10:16:00","modified_gmt":"2018-06-03T10:16:00","slug":"die-walther-bachmann-flugzeugwerke-kg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=1733","title":{"rendered":"Die Walther-Bachmann-Flugzeugwerke KG"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #993300;\">Wer war Walther Bachmann?<br \/>\n<\/span><\/strong>F\u00fcr die Ribnitzer war er zwischen 1934 und 1945 der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber, f\u00fcr das Dritte <img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1815 alignright\" title=\"bachmann_buch\" src=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/bachmann_buch.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"425\" \/>Reich ein wichtiger, wenngleich gelegentlich unangepasster\u00a0 R\u00fcstungsindustrieller, f\u00fcr seine Mitarbeiter offenbar ein ordentlicher Chef, f\u00fcr den kleinen Peter ein stolzer Vater, f\u00fcr den anderen Peter und seine Familie der bewunderte Onkel Walther.<br \/>\nVon uneingeschr\u00e4nkter Bewunderung, zu der wir heute eine nat\u00fcrliche Distanz empfinden, zeugt u.a. auch ein Satz aus dem Tagebuch seiner Schwester Erika, das sie w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges in Deutsch S\u00fcdwestafrika verfasste.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;November 1916 &#8211; [&#8230;] es kam ein<br \/>\nBrief von Gro\u00dfmama u. Onkel Walther. Er war inzwischen Offizier geworden , hatte das Eiserne Kreuz I. + II. Klasse. Er hatte <!--more-->ein engl. Gro\u00dfkampfflugzeug abgeschossen und vom Kaiser das EK I pers\u00f6nlich erhalten. Die Nachricht war zwar 7 Monate unterwegs, aber die Freude doch sehr gro\u00df und die Jungen waren nun nat\u00fcrlich noch stolzer auf ihren Onkel.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Diese Aussage muss man zun\u00e4chst ohne vorschnelle Wertung auf sich wirken lassen. Sie spiegelt zeitbedingt, wie ich denke,\u00a0 Einstellung und Empfinden vieler Deutscher wieder, zumindest derjenigen, die der b\u00fcrgerlichen Schicht des Landes zuzurechenen waren. Auch Erikas Mann hatte sich ja nach dem Angriff &#8222;des Engl\u00e4nders&#8220; in S\u00fcdwest freiwillig zur Schutztruppe gemeldet.<\/p>\n<p>Jetzt hat Edwin Sternkiker \u00fcber das Ribnitzer Flugzeugwerk und seinen Gr\u00fcnder, Betriebsleiter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ein erhellendes und dazu noch spannend zu lesendes Buch vorgelegt.<\/p>\n<blockquote><p>Sternkiker, Edwin: Doppeldecker und Strahlbomber \u00fcber Ribnitz, Die Walther-Bachmann-Flugzeugwerke 1934 bis 1945, Rostock 2010.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Literatur fanden die Bachmann-Werke bereits fr\u00fcher Erw\u00e4hnung. Uwe Johnson erw\u00e4hnt sie in seinen 1971 herausgekommenen Jahrestagen zweimal, S. 946 und S. 968. Allerdings war das zitierte Unternehmen zu dieser Zeit bereits so weit Geschichte, dass es in einer Analyse von Johnsons Werk hei\u00dfen konnte, <em>&#8222;Auch die &#8218;Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin&#8216;, die Cresspahl ausforscht, gibt es, desgleichen die &#8218;Arado-Werke&#8216;, wohingegen die &#8218;Walther-Bachmann-Flugzeugwerke&#8216; bei Ribnitz dann doch eine Erfindung sind.&#8220; <\/em>(Hierzu hat sich der Autor sp\u00e4ter korrigiert.) Dass die damals noch vermeintliche Fiktion Realit\u00e4t war,\u00a0 h\u00e4tten die Ribnitzer schon immer bezeugen k\u00f6nnen. Sternkiker aber ist es mit detaillierten Recherchen zu Produktionszahlen, Finanzen und anderen Wirtschaftsfakten gelungen, weit \u00fcber die Erinnerungen von Zeitzeugen hinauszugehen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr mich schwer,\u00a0 hinsichtlich der Person des Gro\u00dfonkels objektiv zu sein. Aber vor dem Hintergrund meiner gesammelten Informationen, der Erz\u00e4hlungen im Familienkreis und kleiner eigener Erinnerungsschnipsel wage ich das Urteil, dass der Autor\u00a0 der Pers\u00f6nlichkeit des Unternehmers Walther Bachmann (1889-1966) doch wohl gerecht geworden ist.\u00a0 Dar\u00fcberhinaus reichende sch\u00f6ne Erinnerungen der Familie, die den Menschen Bachmann anfassbarer machen,\u00a0 geh\u00f6ren noch nicht in die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><strong>post scriptum<\/strong><br \/>\nBei Familie und Freunden stelle ich mein schr\u00e4ges Hobby, die Familienforschung, gerne als Kompass vor, mit dem ich meine Reiseziele orte und in Gegenden gelange, die ich ohne solche Orientierung nie besucht h\u00e4tte. Ich kann diese Idee nun um die Literatur erweitern. Gerade habe ich die Jahrestage wieder zur Hand genommen und dabei auch den gro\u00dfartigen Kommentar gefunden, der auch als Internetversion zur Verf\u00fcgung steht. Wunderbar! (<a href=\"http:\/\/www.philfak.uni-rostock.de\/institut\/igerman\/johnson\/johnkomm\/0\/jahrestage.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.philfak.uni-rostock.de\/institut\/igerman\/johnson\/johnkomm\/0\/jahrestage.html<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer war Walther Bachmann? 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