{"id":26,"date":"2007-09-30T14:34:00","date_gmt":"2007-09-30T07:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=26"},"modified":"2007-09-30T14:34:00","modified_gmt":"2007-09-30T07:34:00","slug":"unser-tagliches-kauderwelsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=26","title":{"rendered":"Unser t\u00e4gliches Kauderwelsch"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;font-size:130%;\">Familienforschung zwischen Links und Tags<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der neueste Hype f\u00fcr Familienforscher, die nach umfangreichem Research ihre Ergebnisse publizieren wollen, ist das Blog. Warum soll man Web-Tagebuch oder Netz-Tagebuch sagen, wenn doch inzwischen alle Welt bloggt. Oder? Was ich hier mache, w\u00fcrde ich \u00fcbrigens gerne Genealogie-Feuilleton nennen.<\/p>\n<p>Meine Aunt Fannie, die Tante an der amerikanischen Ostk\u00fcste, mit der ich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts m\u00fchsam auf englisch korrespondierte, war zwar eine Immigrantentochter, aber hatte Spa\u00df daran, mir ihr \u00fcbrig gebliebenes Deutsch als German-American Kauderwelsch zu demonstrieren. Nat\u00fcrlich dachte sie dabei nicht an eine <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;abwertende Bezeichnung f\u00fcr eine verworrene Sprechweise, f\u00fcr ein unverst\u00e4ndliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine vermeintlich verworrene, fremde Sprache&#8220;<\/span> (Wikipedia), sondern wollte einfach Spa\u00df &#8218;r\u00fcberbringen.<br \/>\nFannie erinnerte sich: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Die Cow ist \u00fcber die Fence gejumped und hat den ganzen Cabbage gedamaged.&#8220;<\/span> Jahre sp\u00e4ter merkte ich, dass auch andere diesen Spruch kannten. <!--more-->Nat\u00fcrlich gab es in der modernen Senior Retirement Community, in der sie im Alter lebte, gar keine Viehweide mehr, geschweige denn einen Gem\u00fcsegarten oder Vorgarten mit Zaun. Allerdings von mir bewunderte &#8211; jetzt auch hier bekannte &#8211; Zeitungsboxen vor kurzgeschnittenem Hollywoodrasen. Der Ausflug in ihr vergessenes Deutsch endete dann immer mit einem <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Wehr lacht da?&#8220;<\/span> Heute nehmen wir den Denglisch-Spa\u00df gar nicht mehr wahr. Der Sprachmix ist Realit\u00e4t.<br \/>\nZur\u00fcck zum Blog. Die Software dazu ist mit ihren Links und Tags einfach zu handlen. So kann der Genealogie-Publisher sein Thema im Blog erst einmal anw\u00e4rmen und nach diesem Warm Up mit dem ausf\u00fchrlichen Aufsatz auf seinem Netzplatz verbinden. Anschlie\u00dfend kann der vielleicht so gewonnene Besucher dann \u00fcber die m\u00f6gliche Hin- und Her-Verbindung einfach hin- und zur\u00fcckswitchen. Denn das ist ja unser Problem, dass genealogie-spleen-resistente Zeitgenossen uns mit unserer Familienmacke so schwer wahrnehmen.<br \/>\nWie habe ich mich vor Jahren mit dem Verschlagworten herumgeschlagen! Wer einmal f\u00fcr sich eine Exzerptdatenbank aufgebaut hat, wei\u00df wovon ich spreche. Das alles l\u00f6sen jetzt Tags. Phantastisch! Nat\u00fcrlich kann der Familienforscher nun auch seine alten Familienalben scannen, in externe Bilddatenbanken uploaden, nach Herzenslust taggen und dann mit seiner Homepage oder seinem Blog verlinken.<br \/>\nWer sich nach all dem noch die F\u00e4higkeit bewahrt hat, die Ergebnisse seiner Familienforschung in einem ganz normalen Aufsatz, vielleicht sogar in gutem m\u00f6glichst ordentlichem Deutsch, darzustellen, vor dem ziehe ich den Hut! Wie sagte man noch lange nach dem Alten Fritz? Chapeau!<br \/>\nIch versuche mich \u00fcbrigens in Abst\u00e4nden auch mit einer klassischen Darstellung auf Papier. Sp\u00e4testens beim Layout muss ich dann allerdings in mein Kauderwelsch zur\u00fcckkehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Familienforschung zwischen Links und Tags Der neueste Hype f\u00fcr Familienforscher, die nach umfangreichem Research ihre Ergebnisse publizieren wollen, ist das Blog. 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