{"id":32,"date":"2008-08-30T01:29:00","date_gmt":"2008-08-29T18:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=32"},"modified":"2022-11-10T23:39:42","modified_gmt":"2022-11-10T21:39:42","slug":"johann-sebastian-teuthorn-in-sangerhausen-und-die-bachs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=32","title":{"rendered":"Johann Sebastian Teuthorn in Sangerhausen und die Bachs"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor Jahren den FEHMARNER GOTTHARD TEUTHORN (1650-1727) entdeckte, der in Petersdorf 50 Jahre lang die Orgel bespielt hat, war das noch eine richtige \u00dcberraschung. Mit dem gerade entdeckten JOHANN SEBASTIAN TEUTHORN bekommt er nun Gesellschaft von einem fast gleichaltrigen Musiker aus der Familie der Frankenh\u00e4user Teuthorns. Denn auch dieser ist ein Frankenhausener und wird wohl zwischen 1645 und 1650 in der Salzstadt am Kyffh\u00e4user geboren sein.<\/p>\n<p>Die Quelle hierzu ist Friedrich Schmidts Geschichte der Stadt Sangerhausen aus dem Jahre 1906. Aus ihr geht hervor, dass <span style=\"font-style: italic; color: #993300;\">&#8222;Joh. Sebast. Teuthorn aus Frankenhausen, 13. Juni 1687 als Figuralorganist angenommen [wurde]. [Er] War vorher 18 Jahre &#8218;dieser Profession obgelegen&#8216; und Organist zu Heidelberg, dann bei dem Grafen v. Hardenburg, dann zu Wippra und Rammelburg. [Er] starb 1696 zu Sangerhausen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Sangerhausen besch\u00e4ftigte f\u00fcr die beiden Stadtpfarrkirchen St. Ullrich und St. Jacobi nebeneinander einen Choral- und Figuralorganisten, <!--more-->hatte aber offensichtlich nur ein begrenztes Budget f\u00fcr diese. Ein Organist dieser Zeit konnte wohl im allgemeinen nicht von den geringen Bez\u00fcgen f\u00fcr dieses Amt leben. Deshalb wurde es h\u00e4ufig mit einer Schulstelle, z.B. der des M\u00e4dchenlehreres zusammen vergeben . Au\u00dferdem musste ein Organist zur Aufbesserung seines Einkommens h\u00e4ufig noch privaten Musikunterricht (Information) geben oder darauf hoffen sonstwie privat f\u00fcr Honorar engagiert zu werden. Hierzu ein Zitat:<\/p>\n<p>Es<span style=\"font-style: italic; color: #cc9933;\"> &#8222;<span style=\"color: #993300;\">wurde schon seit den Tagen der Reformation an [&#8230;] versucht, Organisten- und Schuldienst zu verkoppeln. Mancherorts musste der Kantor die Orgel mit versehen, anderswo \u00fcbergab man dem Organisten die Jungfernschule, deren Dienst besonders Schlaue an ihre Frauen weiterschoben.&#8220;<\/span><\/span> Ob das auch f\u00fcr Teuthorn zutraf, ist nicht sicher.<\/p>\n<p>Sein Vorvorg\u00e4nger hatte wohl auch das Wirtshaus als zus\u00e4tzlich Einnahmequelle entdeckt. Zumindest legt die farbige Beschreibung bei Schmidt (Schmidt, Friedrich: Geschichte der Stadt Sangerhausen, Sangerhausen 1906, S. 725) das nahe. Dort hei\u00dft es \u00fcber Valentin Laue aus Aschersleben: <span style=\"font-style: italic; color: #cc9933;\">&#8222;<span style=\"color: #993300;\">Am 4. Aug. 1685 k\u00fcndigte ihm der Rat den Dienst. Als Ursachen der K\u00fcndigung gab man an: Er verst\u00fcnde den Generalbass nicht, warte in Bierh\u00e4usern mit der Fiedel auf und saufe sich voll; bei einer Hochzeit habe er mit der Posaune aufgewartet und sei \u00fcber die Gasse gelaufen, er sei dem Trunke ergeben und sitze bis 1 Uhr in den Bierh\u00e4usern, auch vertrage er sich mit seinem Weibe nicht.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p>Wenn \u00fcber Johann Sebastian Teuthorns Leben in Sangerhausen au\u00dfer den genannten Daten irgendetwas bekannt w\u00e4re, so h\u00e4tte ich es an dieser Stelle gebracht. So bleibt nur sein Tod im Jahre 1696 festzustellen und eine Notiz zu seiner Wohnung anzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Im B\u00fcrger- und Besitzverzeichnis von 1713 findet sich n\u00e4mlich ein Hinweis auf die Wohnadresse unseres Organisten. Dieser hatte offensichtlich &#8218;Haus und Hof daselbst, 1 Garten&#8216; am Alten Markt bewohnt. Denn unter der Erfassungsnummer 334 f\u00fcr einen Christoph Holzhausen steht der Vermerk &#8218;ant. Seb. Teuthorn&#8216;.<br \/>\nNach Teuthorns Tod wurde die Stelle des Figuralorganisten kurioser Weise durch den STADTRICHTER GOTTFRIED CHRISTOPH GR\u00c4FFENHAYN wahrgenommen, und zwar bis zu dessen Tod 1702. Wer sich nun bewarb, war kein geringerer als der junge JOHANN SEBASTIAN BACH, damals 18 Jahre alt und aus L\u00fcneburg kommend. &#8211; Aus einem sp\u00e4teren Brief ergibt sich, dass er sich im Juli um die vakante Organistenstelle in Sangerhausen bewarb und beim dortigen Rat bevorzugter Kandidat war, dass sich aber Herzog Johann Georg von Sachsen-Wei\u00dfenfels mit einem anderen Kandidaten \u00fcber dessen Votum hinwegsetzte.<br \/>\n25 Jahre sp\u00e4ter bekleidet &#8211; zwar nur f\u00fcr kurze Zeit &#8211; doch noch ein Bach diese Organistenstelle. Es ist JOHANN GOTTFRIED BERNHARD BACH (* 11. Mai 1715 in Weimar; \u2020 27. Mai 1739 in Jena), der im allgemeinen unbekannte dritte Sohn des gro\u00dfen Johann Sebastian und der Maria Barbara Bach. Er kam 1737 und fl\u00fcchtete bereits 1738 unter Hinterlassung hoher Schulden. Sein Zimmerwirt erkundigte sich in Leipzig bei seinem Vater Johann Sebastian Bach nach seinem Verbleib. Dieser konnte jedoch nur mit Bedauern feststellen, dass er seinen <span style=\"font-style: italic; color: #993300;\">\u201eleider mi\u00dfrathenen Sohn\u201c<\/span> seit dessen Abreise nach Sangerhausen nicht mehr gesehen habe.<\/p>\n<p>Johann Sebastian Teuthorn stammte zwar aus Frankenhausen, konnte aber bisher noch keinem Zweig der Familie zugeordnet werden. Auch \u00fcber Ehe und m\u00f6gliche Kinder ist derzeit nichts bekannt. Damit stellt sich wieder einmal eine Rechercheaufgabe.<\/p>\n<p>Ein ausf\u00fchrlicherer Aufsatz mit bibliographischen Angaben wird im TeuNet folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor Jahren den FEHMARNER GOTTHARD TEUTHORN (1650-1727) entdeckte, der in Petersdorf 50 Jahre lang die Orgel bespielt hat, war das noch eine richtige \u00dcberraschung. 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