{"id":4533,"date":"2015-01-07T00:47:48","date_gmt":"2015-01-06T23:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=4533"},"modified":"2018-08-01T20:19:52","modified_gmt":"2018-08-01T20:19:52","slug":"bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=4533","title":{"rendered":"Der Griff in mein B\u00fccherregal (V)"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_7896\" aria-describedby=\"caption-attachment-7896\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-7896 size-medium\" src=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758-300x199.jpg 300w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758-768x510.jpg 768w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758-226x150.jpg 226w, https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/131758.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7896\" class=\"wp-caption-text\">Gustav Freytag<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Bilder aus der deutschen Vergangenheit<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Als Heranwachsender las ich mit Begeisterung Gustav Freytags &#8218;Die Ahnen&#8216; (1) in der sechsb\u00e4ndigen Ausgabe Hirzel, Leipzig 1922 und &#8218;Soll und Haben&#8216; (2) in der zweib\u00e4ndigen Ausgabe von 1913. Beide schenkte mir Mitte der 60er Jahre meine Gro\u00dfmutter aus ihrem B\u00fccherbestand. Ganz beil\u00e4ufig lernte ich \u00fcber diese Texte die gedruckte deutsche Kurrentschrift. Die B\u00e4nde stehen immer noch in meinem B\u00fccherregal.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\">Das ist nostalgische Vergangenheit. Um die gegenw\u00e4rtige Jahreswende habe ich nun erstmals Ausz\u00fcge aus <strong>Freytags Hauptwerk<\/strong> gelesen. Es sind die <strong>&#8218;Bilder aus der deutschen Vergangenheit&#8216;<\/strong>.\u00a0 Und da wir nun in der Gegenwart sind, schaue ich per eBook und lateinischen Buchstaben zur\u00fcck. <em>&#8222;Freytag schildert darin die deutsche Geschichte am Beispiel ausgew\u00e4hlter Quellentexte. <!--more-->Das Werk [&#8230;] erfuhr bis 1909 je nach Band zwischen 27 und 32 Auflagen und geh\u00f6rt damit zu den beliebtesten deutschen Geschichtswerken des 19. Jahrhunderts \u00fcberhaupt.&#8220; <\/em>(Wikipedia 01\/2015)<\/span><\/p>\n<p>Textausz\u00fcge:<br \/>\n(Stadt im 14. und 15. Jahrhundert, also im sogenannten sp\u00e4ten Mittelalter)<\/p>\n<p><strong>WEIN<\/strong>:<br \/>\n<em>&#8220; [&#8230;] der Weinbau wird damals [&#8230;] in fast ganz Deutschland versucht, <strong>nicht nur in Th\u00fcringen<\/strong>, auch in der Mark und Pommern, ja sogar in dem neuen Ordensland Preu\u00dfen. Begeht die Stadt frohe Weinlese, dann r\u00fccken Bewaffnete in das Feld, damit die schw\u00e4rmenden St\u00e4dter vor einem \u00dcberfall sicher sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Im Norden des Th\u00fcringer Waldes herrschte das Bier, fast jede Stadt braute mit besonderen Vorteilen und war auf ihre bessere Sorte stolz. [&#8230;] <strong>die Erfurter<\/strong> wu\u00dften wohl, da\u00df <strong>ihr \u00f6liges schwarzes Bier<\/strong> den greisen K\u00f6nig Rudolf bei seinem Besuch im deutschen Norden begeistert hatte. [&#8230;]\u00a0 Der schlechte <strong>inl\u00e4ndische Wein wurde oft mit Kr\u00e4utern, Gew\u00fcrz und Honig versetzt<\/strong>, er hie\u00df dann Lautertrank, eine Erinnerung daran dauert in unserem Maitrank; fremder W\u00fcrzwein, kunstvoll aus franz\u00f6sischem Rotwein verfertigt, wurde als Claret und Hippokras eingef\u00fchrt; \u00fcber Maulbeeren abgezogener Wein hie\u00df Mora\u00df; au\u00dferdem wurden viele andere Arten von aromatischen Tr\u00e4nken verfertigt, auch mit gekochtem Wein, zum Teil nach Rezepten, die aus dem r\u00f6mischen Altertum stammten; sie galten f\u00fcr medizinisch hilfreich, waren auch von Frauen begehrt, mehr als jetzt die Lik\u00f6re. <strong>Im S\u00fcden des Th\u00fcringer Waldes machte dem Landwein der Birnmost und \u00c4pfelwein Konkurrenz, <\/strong>er war z.\u00a0B. der herrschende Trank in Bayern, <strong>wo erst<\/strong> <strong>sp\u00e4ter das Bierbrauen \u00fcberhand nahm, der Bock aus der Stadt Einbeck erlernt wurde<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><em>Von ungemischten Weinen war au\u00dfer dem deutschen vom Rhein und der Mosel, vom Neckar und dem W\u00fcrzburger vom Main noch der von Rivoglio (Reifall genannt) und von Bozen, die franz\u00f6sischen Muskatell und Malvasin und der Osterwein aus Ungarn wohlbekannt, au\u00dferdem viele italienische Sorten, von Ancona, von Tarent usw., endlich griechische Weine, darunter der ber\u00fchmte Zyperer. Ulm war der gro\u00dfe Weinmarkt, von dort gingen die F\u00e4sser bis hinauf in das Ordensland Preu\u00dfen und in die feinsten Handelsstationen der Ostsee.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>KLEIDERORDNUNG<\/strong><br \/>\n<em>&#8222;Weit wichtiger aber als in der Gegenwart ist dem Menschen jener Zeit die geschm\u00fcckte Kleidung, M\u00e4nner und Frauen sind um die Wette bem\u00fcht, sich, wo sie vor andern erscheinen, kostbar zu halten. <strong>Der Verbrauch an bunten und teuern Stoffen ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sehr gro\u00df.<\/strong> Dieser Drang, sich vor andern bemerklich zu machen und \u00fcber die Kr\u00e4fte stattlich zu erweisen, steht im Widerspruch zu der Neigung des Mittelalters, jeden Mann auch durch bezeichnende Tracht nach Beruf und Geltung kenntlich zu machen. Wie der Leibeigene, der Jude, der Geistliche durch besondere Tracht erkennbar sein soll, so will auch der F\u00fcrst, der Ritter, der Kaufmann f\u00fcr sich und seine Frau in Stoff und Schmuck ein Vorrecht haben, und unabl\u00e4ssig suchen andere Kreise dieselbe Auszeichnung f\u00fcr sich zu gewinnen. Damals begannen die <strong>Kleiderordnungen der St\u00e4dte und Landesherren<\/strong>, die erst mit der Franz\u00f6sischen Revolution aufh\u00f6rten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\">Wer sich heute ein Bild vom Alltagsleben unserer Vorfahren machen will, wird sicherlich zuerst zu der aktuellen dreib\u00e4ndigen Darstellung <strong>Richard van D\u00fclmens &#8218;Kultur und Alltag in der fr\u00fchen Neuzeit&#8216;<\/strong> greifen.\u00a0 Wer aber einen etwas allgemeineren, weniger wissenschaftlichen, k\u00fcrzeren, gut lesbaren und trotzdem fakten- und quellenbasierten \u00dcberblick \u00fcber die Epoche des sp\u00e4ten Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit sucht, wird mit Gustav Freytags Darstellung immer noch Gewinn unnd Freude haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><span style=\"color: #000000;\">Von Freytag verwendete Quellen finden sich u.a. in der Einblattdrucksammlung Gustav Freytag, die digital zug\u00e4nglich ist: <a href=\"http:\/\/sammlungen.ub.uni-frankfurt.de\/freytag\/nav\/index\/all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/sammlungen.ub.uni-frankfurt.de\/freytag\/nav\/index\/all<\/a><\/span><\/span><br \/>\n<em><br \/>\n<\/em>______<\/p>\n<p>In der Reihe \u2018Griff in mein B\u00fccherregal\u2019 auch:<br \/>\nI\u00a0 \u00a0 <a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=5039\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ulrich Wehler<\/a><br \/>\nII \u00a0 <a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=5061\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">van D\u00fclmen<\/a><br \/>\nIII <a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=5534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0Theodor Fontane<\/a><br \/>\nIV\u00a0<a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=6574\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Historischer Stadbildatlas Kiel<\/a><br \/>\nV\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=4533\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gustav Freytag <\/a><br \/>\nVI\u00a0 <a href=\"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=7889\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Eric Hobsbawm<\/a><br \/>\n_____________________________________________<br \/>\n1) Erstausgaben: Die Ahnen 1855, 2) Soll und Haben 1872-1880<br \/>\n3) Als eBook bei ebook.de 2,49 \u20ac oder kostenlos in der Sammlung Gutenberg: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit-3712\/25\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/bilder-aus-der-deutschen-vergangenheit-3712\/25<\/a><br \/>\nDiese Ausgabe ist aber leider nicht vollst\u00e4ndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilder aus der deutschen Vergangenheit Als Heranwachsender las ich mit Begeisterung Gustav Freytags &#8218;Die Ahnen&#8216; (1) in der sechsb\u00e4ndigen Ausgabe Hirzel, Leipzig 1922 und &#8218;Soll und Haben&#8216; (2) in der <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=4533\">Lesen Sie weiter &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,11],"tags":[80,477,125,184,221,403],"class_list":["post-4533","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-literatur","tag-bier","tag-buecherregal","tag-ebook","tag-gustav-freytag","tag-kleiderordnung","tag-wein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4533","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4533"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4533\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7920,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4533\/revisions\/7920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4533"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4533"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4533"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}