{"id":790,"date":"2010-02-22T04:09:25","date_gmt":"2010-02-22T14:39:25","guid":{"rendered":"http:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=790"},"modified":"2010-02-22T04:09:25","modified_gmt":"2010-02-22T14:39:25","slug":"internetpublikation-versus-zeitschriftenaufsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teuthorn.net\/feuilleton\/?p=790","title":{"rendered":"Internetpublikation versus Zeitschriftenaufsatz"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #993300;\">Man verfasst einen Artikel und stellt ihn auf seine Website.\u00a0 Ist er damit f\u00fcr eine sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung in einer Genealogischen Zeitschrift verloren?<\/span><\/strong><br \/>\nNeben der modernen \u00c4u\u00dferung im Internet gibt es sie weiterhin,\u00a0 die konservative Publikation in Zeitschriften. Diese wird zur Zeit nicht nur als ehrenvoller, sondern auch als sicherer angesehen, da mit dieser Form der Ver\u00f6ffentlichung auch die Archivierung in Bibliotheken verbunden ist. Allerdings wird hier \u00fcblicherweise auf eine Erstpublikation Wert gelegt. Wer also klassisch ver\u00f6ffentlichen m\u00f6chte, d\u00fcrfte seinen Text vorher nicht ins Netz gestellt haben. Das ist wiederum &#8211; zumindest in der modernen Familienforschung &#8211; unrealistisch. Wir betreten hier also derzeit noch eine Grauzone! Warum ist das so?<!--more--><br \/>\nNach eigener Erfahrung schreibt der Familienforscher zu einem Thema, das zun\u00e4chst au\u00dfer ihm selbst niemanden interessiert. Er stellt Fakten in einen Zusammenhang, schreibt die entstandene Gedankenfolge auf. Am Anfang zur eigenen Ged\u00e4chtnisentlastung, vielleicht auch in der vagen Hoffnung, jemand in der Familie k\u00f6nne sich wider Erwarten irgendwann doch einmal daf\u00fcr interessieren. Eine ganz praktische \u00dcberlegung f\u00fchrt dann zum Mitteilen seiner Gedanken auf einer eigenen Plattform im Internet<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>. Der Grund ist, dass in dieser vernetzten Kommunikationswelt keine Nische zu klein ist, als dass sich nicht doch ein Gleichgesinnter dorthin verirrte. Trifft dies ein,\u00a0 kommt man nicht nur ins Gespr\u00e4ch, sondern meistens auch in seiner Forschung ein ganzes Wegst\u00fcck weiter.<br \/>\nDie von mir vorsichtig so genannte Gedankenfolge kann nat\u00fcrlich auch bereits ein kleiner Aufsatz sein. Man w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, diesen auf herk\u00f6mmliche Weise zu publizieren. Warum eigentlich nicht? Weil das Thema daf\u00fcr zu unbedeutend schien, die Qualit\u00e4t dem eigenen Anspruch noch nicht gen\u00fcgte oder &#8211; und das ist wohl der h\u00e4ufigste Grund &#8211; weil das Thema noch nicht abgeschlossen schien. Nimmt ein Autor aber die M\u00f6glichkeiten des Internets wahr, stellt er also &#8211; wie man so sagt &#8211; seinen Artikel in&#8217;s Internet, so folgt der ersten kleinen Mitteilung wahrscheinlich eine weitere \u00fcberarbeitete, also vervollst\u00e4ndigte Version. Und so weiter.<br \/>\nDa man in der Familienforschung im Grunde aber niemals fertig wird, nimmt &#8211; im Gegensatz zu der gerade beschriebenen Methode &#8211; der konservativ publizierende Autor seine Forschung und die damit verbundenen \u00dcberlegungen dann wohl oft mit ins Grab.<br \/>\nDie Vorteile der Online-Publikation liegen auf der Hand. Aber nat\u00fcrlich auch die Nachteile. Das Internet ist ausgesprochen fl\u00fcchtig. Das gilt ganz besonders f\u00fcr \u00c4u\u00dferungen auf privaten Netzseiten. Es muss ja nicht gleich das v\u00f6llige Verschwinden der Internetadresse sein. H\u00e4ufig gen\u00fcgt schon die unbedachte \u00c4nderung einer Verlinkung. Auch geh\u00f6ren die familienforschenden Autoren ja meist zu den betagteren Zeitgenossen. Und wer geht schon so realistisch mit dem doch unab\u00e4nderlichen Lebensende um, dass er Vorsorge trifft, seine Netzschriftstellerei f\u00fcr die sogenannte Nachwelt zu erhalten?<br \/>\nNun werden Mitglieder des Compgen-Vereins auf das best\u00e4ndigere Gen-Wiki verweisen. Gut so. Es liegt aber an der Konzeption dieses Projektes, dass es kein wirklicher Ersatz f\u00fcr das beschriebene Thema und sein Dilemma ist. Eine Alternative w\u00e4ren nur bleibende (wie lange?) Internetadressen, wie sie z.B. Wissenschaftliche Einrichtungen bieten. Hier finde ich insbesondere das Medium Internetzeitschrift reizvoll. Aber mit dieser Idee haben wir unmerklich das flexible private Ver\u00f6ffentlichen verlassen und haben uns auf den Weg der klassischen Publikation begeben. Denn genealogische Zeitschriften werden dauerhaft in Bibliotheken archiviert.<br \/>\nWenn man nun die anfangs beschriebenen Vorteile des neuen Mediums nicht missen m\u00f6chte, sich aber sp\u00e4ter doch f\u00fcr eine klassische Ver\u00f6ffentlichung entscheidet,\u00a0 wenn man also f\u00fcr ein Nebeneinander eintritt, muss man folgerichtig \u00fcber das richtige Benehmen, also einen Schreiber-Knigge<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> nachdenken. Herk\u00f6mmlicherweise publiziert man ein Thema nur einmal und achtet peinlichst darauf, dass es neu und origin\u00e4r ist, also auch nicht etwa fr\u00fchere Texte wiederholt. Anders gesagt,\u00a0 man vermeidet gedruckte \u00c4u\u00dferungen im Vorfeld einer geplanten gr\u00f6\u00dferen Ver\u00f6ffentlichung.<br \/>\nIst nun ein Ins-Netz-Stellen eines Textes ein Versto\u00df gegen solche Regeln? Kann jemand der sich \u00fcber eine Website und ein Blog \u00e4u\u00dfert, keinen Zeitschriftenaufsatz mehr schreiben?<br \/>\nDas ginge wohl an der Wirklichkeit vorbei. Aber wie sieht eine f\u00fcr alle vertretbare L\u00f6sung aus?<br \/>\nCopyright \u00a9 2010 Peter Teuthorn<\/p>\n<hr size=\"1\" \/><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Das kann die eigene Website, ein Blog, ein Gastbeitrag auf der Homepage eines Familienforschers, aber auch ein Beitrag im GenWiki (Verein f\u00fcr Computergenealogie) sein.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Hierzu geh\u00f6rt auch die umgekehrte Situation, in der der Autor eines bereits publizierten Zeitschriftenartikels \u00fcberlegen k\u00f6nnte, diesen sp\u00e4ter mit erweiterten Erkenntnissen sozusagen in einer \u00fcberarbeiteten Fassung als Zweitver\u00f6ffentlichung nun doch noch ins Internet zu geben.\u00a0 Wie stehen Zeitschriftredaktion\/Verlag\/Verein dazu?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man verfasst einen Artikel und stellt ihn auf seine Website.\u00a0 Ist er damit f\u00fcr eine sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung in einer Genealogischen Zeitschrift verloren? 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