Dr. med. Johann Christian David Teuthorn (1795–1856)

Fragment. Diese Skizze fasst die bislang gefundenen Lebensumstände zusammen. Der Autor wird keine weiteren Recherchen mehr anstellen, möchte aber hiermit dokumentieren, was sich bisher aus eigenen Quellen und Internetrecherche zusammentragen ließ, damit es nicht im Privatarchiv vermodert.

Herkunft und Einordnung in die Familiengeschichte

Mein Zweimal-Urgroßvater ist der Barbier-Chirurg Wilhelm Günther TEUTHORN (1807–1881), der aus dem Hauptort der Schwarzburg-Rudolstädter Unterherrschaft Frankenhausen in das damals dänische Kiel auswanderte und damit der Stammvater aller heute noch lebenden Teuthorns wurde. Von seiner Auswanderung geht die unter dem Titel „Die Familie Teuthorn-Nagel“ publizierte Familiengeschichte aus

Wilhelm Günther hatte einen Bruder. Er war sein ältester und zugleich sein einziger Bruder, wenn man unterstellt, dass ein erwähntes zwei Jahre jüngeres Kind die frühe Jugend nicht überlebt

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Zeit der Umbrüche. Diese machen vor Frankenhausen und den dort verbliebenen Familienmitgliedern nicht halt, sondern betreffen viele Lebensbereiche zugleich: Medizin, Landwirtschaft, politische Umwälzungen und Mobilität. Stichworte sind die Homöopathie Samuel Hahnemanns, die Verwissenschaftlichung der Landwirtschaft unter dem Begriff der Oeconomie (Düngemittel, Liebig) sowie die Verlockungen und Chancen der Ferne — das Phänomen der Auswanderung. All diese Einflüsse wirken auch auf die Familie Teuthorn ein und gehen nicht spurlos an ihr vorüber.

Vor diesem Hintergrund spielt sich das Leben meines Probanden und seiner Familie ab.

Da die Bürgerfamilie Teuthorn keine aus der Norm ihres Standes herausragende geschichtlich bedeutsame Persönlichkeit hervorgebracht hat, gibt es natürlicherweise keine besonderen Zeugnisse oder Überlieferungen, die einer familiengeschichtlichen Darstellung als Gerüst dienen könnten. Um so mehr muss die bewährte Vorgehensweise greifen, kleine familiengeschichtliche Quellensplitter mit der Geschichte der Zeit zu verzahnen.Insofern geht es hier lediglich um ein Mosaiksteinchen in der Familiengeschichte Teuthorn.

Eckdaten

  • TEUTHORN, Johann Christian David, Med. Doct. et Pract. in Frankenhausen
  • Geboren am 14.2.1795 in Frankenhausen
  • Verheiratet am 28.4.1819 in Frankenhausen mit Dorothee Wilhelmine Hummel (*1794, aus Leipzig) 1
  • Gestorben am 16.8.1856 in Frankenhausen — in meinen Aufzeichnungen war der Sterbeort lange nur vorläufig mit Fragezeichen vermerkt, ehe er sich als Frankenhausen sichern ließ.

Die Leipziger Studienzeit bei Hahnemann

Bei seinem Medizinstudium in Leipzig hört Johann Christian David nicht nur bei dem Begründer der Homöopathie, dem berühmten Samuel Hahnemann, sondern nimmt mit einer kleinen Gruppe von Kommilitonen an dessen Arzneimittelprüfungen teil — der sogenannten „Première Union des Expérimentateurs“ von 1814. Leipzig war dabei für die Großfamilie Teuthorn kein unbekanntes Terrain: Eine eigene Linie, die Leipziger Teuthorns, war dort bereits seit den 1760er Jahren ansässig.

Die Teilnahme an den Selbstversuchen ist durch die homöopathische Literatur belegt. Aus Hahnemanns Reine Arzneimittellehre und den Chronischen Krankheiten sowie aus Bradfords Pioneers of Homoeopathy (1897) lässt sich rekonstruieren, dass Teuthorn zu vierzehn Arzneien eigene Prüfungsbeobachtungen beisteuerte: Chelidonium majus, China (Cinchona officinalis), Digitalis purpurea, Guaiacum officinale, Ledum palustre, Manganum aceticum, Menyanthes trifoliata, Phosphoricum acidum, Rheum palmatum, Sarsaparilla, Squilla maritima, Staphysagria, Thuja occidentalis und Veratrum album — dazu, außerhalb dieser Liste, Mezereum. Die Prüfer nahmen die zu testenden Substanzen selbst ein und protokollierten minutiös jede körperliche und seelische Regung, die sich danach einstellte; jeder Teilnehmer musste vor der Gruppe eidesstattlich versichern, nichts als die Wahrheit aufgeschrieben zu haben. Das Verfahren war nicht ganz risikolos — manche Substanzen waren toxisch, die Dosierung experimentell, eine ärztliche Absicherung im heutigen Sinne gab es nicht.

Sein damaliger Kommilitone Franz Hartmann charakterisierte Teuthorn — gemeinsam mit C. Th. Herrmann — rückblickend knapp und wenig schmeichelhaft: Beide seien der homöopathischen Sache nie sonderlich zugetan gewesen, hätten sich bald wieder von der Gruppe abgespalten, und er, Hartmann, habe trotz Nachfragens nie wieder von ihnen gehört. Diese Aussage ist doppelt überliefert, in der Allgemeinen homöopathischen Zeitung 38 (1850), Sp. 239, und nahezu wortgleich in Hartmanns Geschichte der Homöopathie (Kleinert, Leipzig 1863, S. 97). Quellenkritisch ist dabei zu bedenken: Hartmann war ein glühender Verfechter der Hahnemannschen Lehre. Seine fast ehrenrührige Bemerkung, Teuthorn und Herrmann seien wenig bedeutend gewesen, ist aus dem Blickwinkel des überzeugten Homöopathen formuliert, für den ein früher Abfall von der Sache selbst schon ein Makel war — nicht notwendig aus dem eines neutralen Beobachters.

Teuthorn wurde jedenfalls kein homöopathischer Arzt, sondern praktizierte als approbierter Dr. med. in Frankenhausen.

Bürgerliches Leben in Frankenhausen

Kleine, aber konkrete Spuren belegen seine Einbindung in den Frankenhäuser Alltag: Laut Frankenhäuser Intelligenzblatt zahlte er 1828 und 1829 Hundesteuer, hielt sich also einen Hund. Für dieselben Jahre ist er in der städtischen Feuer-Lösch-Anstalt in der Abteilung „Retten und Ausräumen“ verzeichnet. Brandbekämpfung war eine der Pflichten, auf die alle Bürger der Stadt ihren Eid geschworen hatten. Auch bei der Neuorganisation des Frankenhäuser Feuerlöschwesens Ende 1832 erscheint er in derselben Abteilung.

Die Auswanderung 1848

Ein Dokument der Fürstlichen Landeshauptmannschaft Frankenhausen vom 3. März 1848 (No. 33) hält fest, dass „Hr. Dr. med. Johann Xstian David Teuthorn allhier“ angezeigt habe, er beabsichtige, Ende Juli 1848 gemeinsam mit seinem Sohn, dem Ökonomen Ottomar Teuthorn, nach Amerika auszuwandern, und bitte um ein Attest seiner Berechtigung zur Ausübung von Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe sowie um ein Sittenzeugnis. Im reifen Alter von 53 Jahren, ohne Hund, aber mit Sohn Ottomar trat er die Reise an — soweit die Absicht.

Der weitere Verlauf bleibt ungeklärt. Anlässlich der späteren Nachlassregelung lässt sich nur die Auswanderung des Sohnes belegen, dessen Spur sich in Amerika verliert. Eine Akte des Justizamts Frankenhausen betrifft ausdrücklich „die Regulierung des Nachlasses des Dr. Christian Teuthorn und der Frau Dorothea Wilhelmine Hummel in Frankenhausen und die Vormundschaft über den abwesenden Ottomar Teuthorn“ (ThStAR, Justizamt Frankenhausen, 5-13-6210/1389, 1856–1860); mit der Nachlassregelung waren Bürgermeister Ferdinand Schild und Kämmerer August Börner befasst, die Abwesenheitsvormundschaft für Ottomar übernahm Friedrich Wilhelm Ebenroth.

Amtlich bestätigt ist damit, dass Ottomar zum Zeitpunkt der Nachlassregelung als abwesend galt — über den Verbleib des Vaters selbst zwischen 1848 und seinem Tod 1856 kann die Akte natürlich keine Aussage machen. Zwei Erklärungen bleiben offen: Entweder ist er nach einer tatsächlich angetretenen Reise wieder nach Frankenhausen zurückgekehrt, oder er hat die Reise — anders als sein Sohn — gar nicht erst angetreten. Was den Sohn Ottomar in Amerika betraf, gilt er, wie das Justizamt bei der Testamentseröffnung feststellte, seither als verschollen — über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. In eben diesem Nachlassdokument ist an einer Stelle jedoch nicht von Amerika, sondern von einer Auswanderung nach Australien die Rede. Ich hatte dies seinerzeit als Hör- oder Schreibfehler eingeordnet und nicht weiterverfolgt. Da sich in amerikanischen Quellen bislang jedoch keine Spur von Vater oder Sohn finden ließ, lässt sich nicht ausschließen, dass es sich um einen ernstzunehmenden Hinweis statt um einen bloßen Fehler handelt; die Frage bleibt offen. [FN 2]

Warum der Vater auswandern wollte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen; am naheliegendsten erscheinen politische Gründe im Revolutionsjahr 1848, auch in einer traditionell konservativen Frankenhäuser Familie (der Onkel Günther Heinrich Philipp war zweiter Bürgermeister der Stadt). Ein familiärer Grund könnte der möglicherweise schon Jahre zuvor erfolgte Tod seiner Frau Dorothee Wilhelmine gewesen sein. Wirtschaftliche Not ist dagegen kaum anzunehmen, da er in Frankenhausen über eigenen Grundbesitz verfügte. Eine Durchsicht der Frankenhäuser Presse jenseits des Intelligenzblatts aus dem Revolutionsjahr 1848 könnte hier weiterhelfen.

Ehe und Kinder

Laut Kirchenbuch Frankenhausen heiratete der Bräutigam „Herr Johann Christian David TEUTHORN, Doct. med. et Chirurg“, am 28. April 1819 die Braut „Jgfr. Dorothee Wilhelmine Hummel“. Er wird darin als ältester ehelicher Sohn des Christoph Wilhelm Teuthorn — Viermann, Brau- und Pfannherr sowie Seifensieder in Frankenhausen — und dessen Frau Eva Marie Catherine, geb. Hauthal, geführt. Die Braut war die einzige eheliche Tochter des Johann Hummel, Bürgers, Stellmacher-Obermeisters und Hausbesitzers in Leipzig. [1]

Dorothee Wilhelmine Hummel verstarb vor ihrem Mann. Bei der Nachlassregelung 1856–1860 stellte sich deshalb die Frage, ob Erbberechtigte der Familie Hummel Ansprüche auf Teile des Nachlasses hätten. Die daraufhin eingeholten Leipziger Auskünfte — Taufbuch der Thomaskirche sowie die städtischen Leichenbücher — klärten die Sache: Dorothee Wilhelmine war das dritte Kind des Leipziger Bürgers und Stellmachermeisters Johann Aloysius Hummel und seiner Frau Dorothea Wilhelmina, geb. Göbel — geboren am 14., getauft am 17. März 1794 — und die einzige der drei, die das Erwachsenenalter erreichte. Ihre ältere Schwester Johanna Dorothea Wilhelmina (geb. Oktober 1790) starb im Alter von acht Tagen, ihr Bruder Johann Wilhelm (geb. November 1791) im Alter von fünfeinhalb Jahren im März 1797. Auf Seiten der Hummels gab es demnach keine weiteren Erbberechtigten.2 Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor (Daten nach der eigenen Genealogie-Datenbank, Geneanet „frankenhusanus“):

  • Anna Natalie Wilhelmine (11.3.1820–25.6.1826)
  • Heinrich Ottomar Theodor (*8.8.1821), Ökonom; heiratete am 8.8.1848 in Esperstedt bei Artern Louise Therese Schröder (*um 1825 in Rottleben bei Kelbra); wanderte mit dem Vater nach Amerika aus, seine weitere Spur verliert sich dort
  • Auguste Henriette Pauline (2.8.1824–5.7.1826)
  • Henriette Auguste (12.1.1827–vor 1902), verheiratet am 16.7.1850 mit Louis Theodor Birkner (*um 1825, †vor 1902)
  • Liddy Auguste Güntherine (*17.8.1828), verheiratet um 1850 mit August Sieving (*um 1820)
  • Caroline Pauline Wilhelmine (17.1.1833 in Frankenhausen – 9.1.1884 in Shasta, CA); zu ihrer Taufe am 1.2.1833 zählte unter den Paten, ohne selbst zugegen zu sein, Dr. med. Eduard Jörg aus Leipzig; verheiratet (erste Ehe) am 27.6.1859 in Shasta, CA, mit Günther (Gunther) Friedrich Carl Schroter (18.6.1829–15.3.1905 in Shasta, CA); ihr Familienname erscheint in amerikanischen Quellen laut Ancestry verballhornt als Tevthorn, Fenthorn oder Diethorn
  • Anton Wilhelm (31.12.1834–9.1.1835)

Zusammengestellt aus: eigenen Veröffentlichungen und Notizen des Verfassers (teu-net.de, teuthorn.net/feuilleton, E-Mail an Dr. Gerhard Görmar vom 10.1.2008), dem Geneanet-Stammbaum „frankenhusanus“, Katrin Schreiber, „Samuel Hahnemann. Die Entwicklung der Homöopathie zwischen 1811 und 1821″, sowie internetzugänglicher homöopathiegeschichtlicher Literatur (Bradford 1897, Pötters, homeoint.org/Séror, homeobook.com).



Anmerkungen / Fußnoten

  1. KB Frankenhausen, Heiraten, 28. April 1819: „Bräutigam: Herr Johann Christian David TEUTHORN, Doct. med. et Chirurg, Herrn Christoph Wilhelm Teuthorns, des Viermanns, Brau- und Pfannherrn, auch Seifensieders allhier, ehel. ältester Sohn. – mat. Fr. Eva Marie Catherine, geb. Hauthal. Braut: Jgfr. Dorothee Wilhelmine Hummel, Herrn Johann Hummels, Bürgers, Stellmacher-Obermeisters und Hausbesitzers in Leipzig, ehel. einzige Tochter.“ ↩︎
  2. ThStAR, Provenienz Justizamt Frankenhausen, 5-13-6210/1389 (1856–1860), „Regulierung des Nachlasses des Dr. Christian Teuthorn und der Frau Dorothea Wilhelmine Hummel in Frankenhausen und die Vormundschaft über den abwesenden Ottomar Teuthorn“, darin S. 19: Taufbuch Thomaskirche Leipzig zu den Kindern des Johann Aloysius Hummel und der Dorothea Wilhelmina, geb. Göbel; S. 20 f.: Bescheinigungen des Rats der Stadt Leipzig nach den Leichenbüchern (Bd. 33, S. 281 bzw. Bd. 34, S. 227b). ↩︎