Unser tägliches Kauderwelsch

Familienforschung zwischen Links und Tags

Der neueste Hype für Familienforscher, die nach umfangreichem Research ihre Ergebnisse publizieren wollen, ist das Blog. Warum soll man Web-Tagebuch oder Netz-Tagebuch sagen, wenn doch inzwischen alle Welt bloggt. Oder? Was ich hier mache, würde ich übrigens gerne Genealogie-Feuilleton nennen.

Meine Aunt Fannie, die Tante an der amerikanischen Ostküste, mit der ich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts mühsam auf englisch korrespondierte, war zwar eine Immigrantentochter, aber hatte Spaß daran, mir ihr übrig gebliebenes Deutsch als German-American Kauderwelsch zu demonstrieren. Natürlich dachte sie dabei nicht an eine “abwertende Bezeichnung für eine verworrene Sprechweise, für ein unverständliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine vermeintlich verworrene, fremde Sprache” (Wikipedia), sondern wollte einfach Spaß ‘rüberbringen.

Fannie erinnerte sich: “Die Cow ist über die Fence gejumped und hat den ganzen Cabbage gedamaged.” Jahre später merkte ich, dass auch andere diesen Spruch kannten. Natürlich gab es in der modernen Senior Retirement Community, in der sie im Alter lebte, gar keine Viehweide mehr, geschweige denn einen Gemüsegarten oder Vorgarten mit Zaun. Allerdings von mir bewunderte – jetzt auch hier bekannte – Zeitungsboxen vor kurzgeschnittenem Hollywoodrasen. Der Ausflug in ihr vergessenes Deutsch endete dann immer mit einem “Wehr lacht da?” Heute nehmen wir den Denglisch-Spaß gar nicht mehr wahr. Der Sprachmix ist Realität.

Zurück zum Blog. Die Software dazu ist mit ihren Links und Tags einfach zu handlen. So kann der Genealogie-Publisher sein Thema im Blog erst einmal anwärmen und nach diesem Warm Up mit dem ausführlichen Aufsatz auf seinem Netzplatz verbinden. Anschließend kann der vielleicht so gewonnene Besucher dann über die mögliche Hin- und Her-Verbindung einfach hin- und zurückswitchen. Denn das ist ja unser Problem, dass genealogie-spleen-resistente Zeitgenossen uns mit unserer Familienmacke so schwer wahrnehmen.

Wie habe ich mich vor Jahren mit dem Verschlagworten herumgeschlagen! Wer einmal für sich eine Exzerptdatenbank aufgebaut hat, weiß wovon ich spreche. Das alles lösen jetzt Tags. Phantastisch! Natürlich kann der Familienforscher nun auch seine alten Familienalben scannen, in externe Bilddatenbanken uploaden, nach Herzenslust taggen und dann mit seiner Homepage oder seinem Blog verlinken.

Wer sich nach all dem noch die Fähigkeit bewahrt hat, die Ergebnisse seiner Familienforschung in einem ganz normalen Aufsatz, vielleicht sogar in gutem möglichst ordentlichem Deutsch, darzustellen, vor dem ziehe ich den Hut! Wie sagte man noch lange nach dem Alten Fritz? Chapeau!

Ich versuche mich übrigens in Abständen auch mit einer klassischen Darstellung auf Papier. Spätestens beim Layout muss ich dann allerdings in mein Kauderwelsch zurückkehren.

This entry was posted in Amerika, Genealogie im Netz and tagged . Bookmark the permalink.

Comments are closed.