Bildung, Beruf, Öffentliches Amt um 1600

Der frisch erschienene Band zu Johann Thölde ist das Ergebnis der wissenschaftshistorischen Tagung in Bad Frankenhausen (Kyffhäuser) vom 26. bis 28. Mai 2010. Zum Inhalt kann auf die Rezension zur Tagung von Prof. Dietmar Linke verwiesen werden, die im Rundbrief 2010 des AGRICOLA-FORSCHUNGSZENTRUMS CHEMNITZ (S. 26 und 27) erschien. Sie ist unter http://www-user.tu-chemnitz.de/~fna/agricola19.pdf zugänglich.

Unter dem Arbeitstitel Bildung, Beruf, Öffentliches Amt – Gedanken zur Oberschicht Frankenhausens in der Zeit Thöldes (Seiten 75-100) setzt sich Peter Teuthorn mit der Frage auseineander, welche Bedeutung Bildung und insbesondere das Studium für die Söhne der Frankenhauser Oberschicht zur Zeit Thöldes um 1600 haben. Auf Basis der im Zeitraum 1551 – 1650 in Universitätsmatrikeln gefundenen Frankenhäuser Studenten (9-seitige Liste im Anhang) kommt er zu dem Schluss:

“Die Frankenhäuser Studenten finden sich in großem Umfang zeitversetzt zu ihren Studieneinträgen in Ratsfunktionen und herrschaftlichen Verwaltungsaufgaben wieder. Sollte man allerdings einen aus heutiger Sicht naheliegenden Kausalzusammenhang zwischen Bildung und Amt suchen, so bestätigt sich eine solche Annahme nur zum Teil, aber nicht als Regel. Ein Studienabschluss mit einer Graduierung wurde im allgemeinen selten angestrebt und ist für diese Zeit in Deutschland nur für etwa 3 % aller Studierenden nachgewiesen. Naturwissenschaftliche Studien spielten eine untergeordnete Rolle.

Reizvoller und lukrativer als eine nur mäßig entlohnte Universtätslaufbahn waren standesgemäße Aufgaben in Handwerk, Handel und Verwaltung der Stadt. Dazu bedurfte es meist keines ausführlichen Studiums. Für die Stadtelite war es allerdings unabhängig davon wichtig, ihren Söhnen eine standesgemäße Ausbildung zu geben. Auch war ein  Aufstieg in herrschaftsnahe Verwaltungsfunktionen so leichter und insbesondere über das Jurastudium erstrebenswert. Für die theologische Laufbahn war das systematische Studium allerdings zwingend.”

Siehe auch Kurzfassung sowie ausführliche bibliographische Angaben.

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