‚Fahnden nach den Ahnen‘

Angekommen in der Wissenschaft!

Der Spiegel Nr. 21 /20.5.2017, S. 100-103.

Genealogy – Genealogie – Ahnenforschung – Familienforschung – Familiengeschichtsforschung / Schöne PR  –  für den Verein für Computergenealogie und die Deutsche Zentralstelle für Genealogie

Mein kleiner Rezensionsversuch

Ich versuche eine Art Rezension. Schnell, einigermaßen kurz, subjektiv und ohne Anleihen bei Herrn Beckmesser. Ich verstecke meine Meinung nicht hinter dem berühmten Berg, indem ich gleich zu Anfang bekenne, den Artikel im Wesentlichen gut gelungen zu finden. Sticheleien müssen trotzdem folgen. Ohne sie machte das Ganze ja keinen Spaß.

Der Artikel beginnt mit einem schönen, wenngleich für meinen Geschmack leicht überdimensionierten Porträt von Timo K. vor dessen genealogischen Devotionalien. Ein Facebook-Freund kommentierte das Bild treffend: „Noch 3 cm nach links, dann kannst Du Deinen Stammbaum als Heiligenschein verwenden!“. Die übrigen Bilder: Thekla K. sympathisch verhuscht zwischen den modernen Regalen ihrer Leipziger Deutschen Zentralstelle für Genealogie und ein Regalblick auf die üblichen schönen, weil beeindruckend alten Buchlederrücken. Dazwischen eine Graphik mit diesen für mich unsinnigen Begriffen von Altgroßeltern über Obereltern zu Erzeltern. Wer hat das denn ohne Lexikon parat. Da halte ich es denn doch lieber mit „Sein Opa mit mindestens 20 Urs davor“.

Über dem Eingangsfoto hätte ich fast das mir Wichtigste übersehen. Der Spiegel ordnet die Genealogie wie selbstverständlich unter seine Kategorie Wissenschaft. Ein klares Bekenntnis, mit dem sonst doch häufig noch gefremdelt wird. Weiter im Text. Der Spiegelautor übersetzt Genealogy, die englische Aufschrift auf Timos T-Shirt, kurzerhand mit Ahnenforschung. Ich gebe zu, die von mir favorisierte Familiengeschichtsforschung ist für jounalistische Darstellungen wohl wirklich ein bisschen sperrig. Bei mir gibt das trotzdem einen Abzug bei der A-Note. Denn bei mir ist Genealogie mehr.

Die interviewte Kulturanthropologin E. Timm hat mit ihrem Hinweis auf die ‚kriminalistisch anmutende Arbeit‘ der Familienforscher durchaus Recht, wie auch mit den meisten ihrer weiteren Aussagen. Ihrer Vermutung, Familienforscher sehnten sich in einer unübersichtlich werdenden Welt nach einer Art Sinnzusammenhang, kann ich aber überhaupt nicht folgen. Die Deutschlandrepräsentantin von MyHeritage will zum Anfang ihres Jobs mit 70 – 80-jährigen Opas zu tun gehabt haben, jetzt aber deutlich häufiger mit Menschen um die dreißig. Na ja. Fragezeichen! Da sei noch angemerkt, dass MyHeritage mit der Kunst, sich in den Vordergrund zu spielen, auch hier wieder entgegen seiner wirklichen Relevanz für die Genealogie punktet. Von der Leiterin der Zentralstelle scheint der Autor viel sachlichen Input bekommen zu haben. Jedenfalls sehe ich keine Fragezeichen. Die plastische Wortschöpfung Pfaffengekrakel – eigentlich gar nicht so schlecht – ist wohl den vermuteten Erwartungen der Leserklientel geschuldet.

Der Spiegelaufsatz bedeutet sicherlich einen Imagegewinn für unser Hobby. Auch kann die damit verbundene indirekt gegebene Werbung für die Genealogie in Deutschland und insbesondere unseren Verein nicht unterschätzt werden.

Entsprechende Erwähnungen im Artikel lenken die Aufmerksamkeit der Leser auf CompGen. Vielleicht sogar noch ein wenig stärker auf die Leipziger Zentralstelle. Es würde mich nicht wundern, wenn die Mitgliederzahl des Vereins bald einen weiteren Sprung nach oben machte und es bei den Lesesaalplätzen in Leipzig enger würde.