Überraschung aus Hemleben

eMail-Post

Mitte März, das ist jetzt gerade einmal 10 Tage her, bekam ich Post von Karla, die in Wirklichkeit anders heißt. – Karla fiel kurz außerhalb des Ortes Hemleben beim Wandern auf einer frisch gemähten Wiese ein Stück Stein auf, das eigentlich nicht hierher gehörte. Denn als sie etwas darauf liegenden Dreck mit dem Schuh beiseite geschoben hatte, war es bei näherem Besehen das Stück eines großen behauenen Sandsteins mit einer Art umranktem Medaillon darauf.

Ein besonderer Stein auf der Wiese

Aus Neugier kehrte sie gleich am nächsten Tag mit Traktor und Unterstützung zum Fundort zurück und barg mit der Seilwinde den Stein, der etwa 1,00 x 1,40 Meter misst. Die Überraschung war groß, als auf der im Erdreich gelegenen Fläche die figürliche Darstellung einer Person mit Waage und Schwert freigelegt war und darunter wierum ein diesmal mit gemeißelter Schrift versehenes Medaillon erschien.

Schnell gesäubert verriet der Stein das Grab des Landrichters Balthasar HAUTHAL nebst dessen Frau und mit seinen Lebensdaten 1618 bis 1696. – Per Google-Suche war schnell eine lange zurückliegende Veröffentlichung von mir gefunden und gleich darauf war die Nachricht in meinem eMail-Postfach.

Wow! Könnte der vor mehr als 300 Jahren Verstorbene ein lange gesuchter Ahnherr sein? Nicht unwahrscheinlich. Auf jeden Fall, aufregend diese steinerne Quelle!

Ahnenlinie TEUTHORN-HAUTHAL

Mein Zweimal-Urgroßvater ist der Kieler Amtschirurg Wilhelm Günther Teuthorn, der Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts vom thüringischen Frankenhausen nach dem norddeutschen Kiel ausgewandert war. Seine Mutter – meine Dreimal-Urgroßmutter – ist Eva Marie Catharine HAUTHAL.

Von Wilhelm Günther Teuthorn (rechts unten zu Eva Marie CatharineHauthal (links)
Von Eva Marie Catharine Hauthal zu deren Großvater Joh. Balthasar Hauthal

Sie war das 10. Kind des Ratskämmerers Joh. Caspar Hauthal und Enkelin des Johann Balthasar Hauthal, der wenige Jahre nach 1700 aus Hemleben in die Salzstadt Frankenhausen gekommen war und hier eine Seifendsieder-Dynastie begründete.

Ein Mitforscher findet Johann Balthasars Vater

Schon früh musste ich bei meinen Recherchen erfahren, dass die Kirchenbücher Hemlebens erst mit dem Jahr 1722 beginnen. Wie weiterkommen? Schon lange hatte ich einen freundschaftlichen Kontakt zu meinem Genealogenkollegen Ingo B. der insbeondere in und um Artern forscht und beim Durchblättern von Kirchenbüchern immer ein wachsames Auge auf den Namen Teuthorn hatte.

Und so flatterte mir glücklicherweise eines Tages der folgende Heiratseintrag auf den Schreibtisch.

Trauung in Bretleben 22.7.1709

“Den 22. July (1709) ist Mstr. Joh. Balthasar Hauthal, Bürger u. Seiffensieder in Franckenhausen weiland Martin Hauthals gewes. Einwohners in Hemleben nachgelassener Sohn, mit Jfr. Maria Elisabeth Ebenrodthin, Mstr. Hans Georg Ebenrodts, Erbmüllers allhier ehel. Tochter nach gehaltener Brautpredigt copuliert und eingesegnet worden.”

Durch diese Eheschließung, die aus den Wippermannschen Stammtafeln nicht hervorgeht lernen wir den Vater des ersten Hauthals in Frankenhausen kennen. Es ist Martin Hauthal, dessen Lebensdaten wir nur schätzen können. Er dürfte zwischen 1650 und 1655 in Hemleben geboren und schon vor 1709, wie wir ja aus dem obigen Eintrag erfahren, verstorben sein. Wegen der fehlenden Kirchenbücher werden wir es aus diesen auch nicht genauer erfahren.

Natürlich ergänzt dieser Eintrag nun auch auf schöne Weise Lebensdaten und familiär-regionalen Hintergrund zu Johann Balthasar H., denn bei Wippermann hatte es lediglich geheißen: Er kam aus Hemmleben als Seifensieder bereits verheirathet nach Frankenhausen, heirathete daselbst, nachdem seine Ehegattin ihn verlassen hatte, 1718 Regine Marie, Tochter Johann Daniel Teuthorns, des Cantors und Schullehrers zu Bilsingsleben.

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Mit vorsichtiger Annahme zu verlängerter Ahnenliste

Spekulationen und voreilige nicht abgesicherte Schlüsse haben in der Familienforschung nichts zu suchen. Deshalb würde ich, wenn wir noch mit Papier und Bleistift arbeiteten, die Verbindung zwischen Martin und Balthasar Hauthal gestrichelt einzeichnen und mit einer Anmerkung versehen. In unseren Genealogieprogrammen ist das schwieriger. Deshalb gehört zu meinem Eintrag nun folgende Notiz:

ACHTUNG: Es ist zwar gefährlich, aber ich lasse jetzt einmal meinen Vermutungen freien Lauf.

  • Der Landtrichter – 15.3.2020 Steinfund – aus Hemleben wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Vater des Martin sein.
  • Dieser Martin, wohl ein jüngeres Kind, nennt seinen Sohn nach seinem Vater. Das folgt einem üblichen Muster.
  • Obwohl wir nur Schätzdaten haben, passen diese Daten recht genau, um die Betroffenen als Familie zu verbinden.
Erzeugt mit GFAhnen 19

Ich bin entzückt, meinen papiernen Quellen nun auch eine steinerne hinzufügen zu können.