Unser genealogisches Gedächtnis

Was geschieht eigentlich einmal mit unseren genealogischen Websites?

Demnächst gibt es nur noch Homepages in CMS-Technik*. Endlich einmal müssste auch ich mein TeuNet darauf umstellen. Aber es gibt sie eben doch auch noch, diese ganz altmodisch mit der HTML-Nadel gestrickten Seiten. Lasst uns doch einmal drei davon herausgreifen.  Es sind die eines Forscherkollegen, eine eher historische und meine eigene.

1) Ich beginne mit der historischen. Sie wurde von dem vor neun Jahren verstorbenen Klaus Dierks zusammengestellt und ist u.a. eine unschätzbare Quelle zum Bau der Eisenbahn Swakopmund – Windhuk im heutigen Namibia, dem damaligen Deutschsüdwest-Afrika. Mein Großvater war nahezu von Anfang an am Bau der Bahnlinie (Beginn September 1897 – Fertigstellung Juni 1902) beteiligt. Insbesondere der substanzreiche Link http://www.klausdierks.com/Eisenbahnen/ gehört deshalb in großen Teilen zu meiner Familiengeschichte.

Die Seite ist bisher aufgrund einer Privatinitiative über den Tod Dierks hinaus zugänglich. Dort heißt es: “Dr. Klaus Dierks ist am 17. März 2005 verstorben. Es war sein Wunsch, daß diese Webseite allen zur Verfügung steht.”

Biograpische Daten: “Klaus Dierks, Dr.-Ing., wurde am 19. Februar 1936 in Berlin-Dahlem in Deutschland geboren. Er starb am 17. März 2005 in Windhoek, Namibia. – Er ist seit dem 23. August 1962 mit Karen von Bremen verheiratet. Karen und Klaus Dierks haben vier Kinder (Alexander, geb. 18.03.1966 in Windhoek; Katrin, geb. 23.08.1967 in Otjiwarongo; Susanne, geb. 10.02.1970 in Otjiwarongo und Annette, geb. 17.08.1978 in Windhoek) und sechs Enkelkinder.” (Quelle: Website Dierks.)

2) Der Familienforscher Herbert Penke hat seine Forschungen konsequent per HTML- und PDF-Technik aufgebaut. Seine Darstellungen hat er mit der Genealogie-Software GFAhnen realisiert, zu deren Weiterentwicklung er jahrelang mit eigenen Ideen beigetragen hat. Eine virtuelle Wanderung durch seine Web-Welt führt uns in ein eigenes spannendes Universum. Eine wichtige Rolle spielt dort das Kirchspiel Meinberg. Ein besonders beeindruckendes Beispiel für die Möglichkeiten der HTML-Technik sind seine Hofbesitzer-Folgen.  http://www.hpenke.de/KirchspielMeinberg/html/frames.htm

Darstellungen wie diese halte ich genau in dieser Form für erhaltenswert. Leider gibt es dafür zur Zeit noch keine Lösungen. Wie wenig aussagefähig wäre eine reine GEDCOM-Aufbewahrung dieses Materials. Gegenüber der gefundenen Darstellung fiele sie gelinde gesagt dürftig aus. Leider gibt es derzeit in der Genealogenwelt keinerlei mir bekannte Bemühungen, die sich mit dem Erhalt solcher Forschungsergebnisse beschäftigen.

3) Meine eigenen Darstellungen lassen sich mit den bereits zitierten Websites nicht vergleichen. Sie sind viel einfacher, aber trotzdem wirkungsvoll. Ich greife ein aktuelles Beispiel heraus. Im Jahr 2003 hatte ich eine kleine Familiengeschichte zur Familie NAGEL in Schleswig-Holstein veröffentlicht. Darin Verlinkungen zu Nachfahren/Vorfahren und ein Aufsatz über das Chirurgenhandwerk. http://www.teu-net.de/genealogie/geschichte/fam-nagel.html.
Genau 10 Jahre später fanden fast gleichzeitig eine norwegische Forscherkollegin und ein dänischer Forscher diese Informationen, und wir konnten gemeinsam das Familiengeflecht erweitern.  Die  Gemeinsamkeiten zur Familie NAGEL waren für mich der Anstoß zu einem jetzt begonnen Buchprojekt. (Links siehe ganz unten auf dieser Seite). Wird man so etwas auch künftig noch finden können?

In aller Bescheidenheit, halte ich aus der oben erzählten Erfahrung auch meine Seite
http://www.teu-net.de/genealogie/index.html für aufbewahrenswert. Aber wohin mit dieser “HTML-Schachtel”?

Zum Schluss bleibt die Frage, werden unsere Forschungsergebnisse einmal nur in anonymen Online-Großdatenbanken zu finden sein, damit Forscher da weitermachen können, wo wir aufgehört haben (“um die Weiterarbeit mit den einmal erforschten Daten zu ermöglichen”) ? Wie wird das ohne entsprechende Einbettungen von Schilderungen und Beschreibungen möglich sein? Sicher ist bisher, dass wir einige unserer Einsichten, wie schon in den vergangenen paar hundert Jahren der Menschheitsgeschichte, in Bibliotheken finden werden, die jetzt perfekter als jemals zuvor verschlagwortetes Wissen sammeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir sie zu Papier gebracht haben. Aber unsere digitalen, in HTML-Schachteln verpackten Forschungsergebnisse werden wohl nicht dabei sein. Es sei denn es gibt wie im Namibia-Beispiel eine private Lösung.

Aber bleiben wir entspannt.  Nehmen wir uns vielleicht einfach zu wichtig? Was soll die ständig wachsende Datenfülle auch banalsten Materials? Wäre es nicht ohnehin besser, vieles einfach zu vergessen?

Nun, ganz so einfach ist das mit dem Vergessen doch nicht. Trotz der beklagten Defizite gibt es schon Initiativen, die unserem Gedächnis ungefragt helfen und zum anderen Institutionen, deren Fortschritte in dieser Richtung wir intensiv beobachten sollten. Ich meine das Internet Archive San Francisco (siehe hierzu auch http://teuthorn.net/feuilleton/?p=1851) und die Deutsche Nationalbibliothek: http://bit.ly/1lU3GOw.

Und um das mit einem Beispiel zu untermauern, folgt hier der Link zu der weiter oben zitierten Geschichte der Familie Nagel. Sie ist bereits – zumindest zum Teil als Momentaufnahme -  im Netz archviert: http://bit.ly/QZpk8r.

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http://teuthorn.net/feuilleton/?p=3164
http://teuthorn.net/feuilleton/?p=3218

*) unter Verwendung moderner Skriptsprachen, z.B. PHP, die für den Laien Eingriffe schwieriger machen.

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